Nestlé verändert KitKat-Rezeptur: Doch bleibt der Geschmack erhalten? Naschkater fragt nach…


Dr. Ulrike Weichert Nestlé
Dr. Ulrike Weichert ist bei Nestlé Deutschland Pressesprecherin für Ernährung und Gesundheit

Die großen roten Plakate mit der neuen KitKat-Werbung überall im Stadtbild sind sicherlich nicht nur mir aufgefallen: Nestlé nimmt eine Umstellung des Rezepts zum Anlass, um großflächig für den vierrippigen Schokoriegel zu werben. Ich habe mich beim Anblick des Plakats als erstes gefragt, wieviel mehr Milch denn wohl wirklich drin steckt und wieviel Zucker weniger und ob das nicht den Geschmack, der mir ehrlich gesagt ziemlich perfekt erscheint, nicht verfälscht?! Also habe ich kurzerhand in der Pressestelle von Nestlé angerufen und Dr. Ulrike Weichert, ihres Zeichens Pressesprecherin Ernährung und Gesundheit, persönlich meine drängendsten Fragen gestellt. Hier sind ihre Antworten…

naschkater.com: Liebe Frau Dr. Weichert, KitKat ist einer der ersten Schokoriegel überhaupt, der massenhaft hergestellt wurde und heute noch existiert. Welche wirtschaftliche und emotionale Bedeutung hat KitKat bei Nestlé?  

Dr. Ulrike Weichert: KitKat ist auf der ganzen Welt sehr beliebt und hat auch in Deutschland viele Fans. Das Times Magazin hat KitKat sogar zum einflussreichsten Schokoriegel gekürt – was für eine Auszeichnung! Der mit Schokolade umhüllte Waffelriegel mit seiner knallig-roten Verpackung ist ein echter Klassiker…

naschkater.com: Aber der Klassiker wird jetzt verändert: Auf den schönen Plakaten Ihrer aktuellen Kampagne scheint Kitkat geradezu von Milch überschwemmt zu werden – wieviel mehr Milch ist denn jetzt wirklich im Kitkat? Und von wieviel weniger Zucker sprechen wir?

Dr. Ulrike Weichert: Mit der neuen Rezeptur haben wir den Anteil an Milch und Kakao erhöht und dadurch den zugesetzten Zuckeranteil um durchschnittlich 8 Prozent reduziert. So werden jährlich 235 Tonnen weniger Zucker in den KitKat-Produkten für den deutschen Markt eingesetzt – das entspricht einer Füllmenge von etwa 1.500 Badewannen! Je nach KitKat-Produkt haben wir den Milchanteil um 25 bis 26 Prozent und den von Kakao um 5 bis 8 Prozent erhöht, in der klassischen KitKat-Packung mit den vier Fingern sind jetzt zum Beispiel 25 Prozent mehr Milch und 6 Prozent mehr Kakao enthalten.

naschkater.com: Aber verändert das nicht den bewährten Geschmack? Ich meine, wir Kitkat-Fans sind total konservativ und scheuen jede Veränderung – zumal erst kürzlich Milka sein Riegelsortiment inklusive Lila Pause und Nussini verschlimmbessert hat…

Dr. Ulrike Weichert: Die Fans von KitKat lieben den einzigartigen Geschmack der Kombination aus zart schmelzender Milchschokolade und knuspriger Waffel … Genau deshalb haben wir diesen unverändert beibehalten. Das können Sie gerne mal in einer Blindverkostung prüfen! Weniger Zucker zu verwenden und gleichzeitig den Geschmack nicht zu verändern, ist von technologischer Seite eine große Herausforderung gewesen. Denn Zucker hat neben seinem süßen Geschmack auch Eigenschaften, die sich zum Beispiel auf die Konsistenz auswirken. Aber unsere Kollegen aus der Produktentwicklung haben intensiv daran geforscht und das ideale Mischverhältnis der Zutaten gefunden.

naschkater.com: Wie kam es überhaupt zu der Veränderung der Rezeptur, was war der Anlass?

Dr. Ulrike Weichert: In unserer Gesellschaft sind Übergewicht und starkes Übergewicht oder Adipositas zu einem großen Problem geworden. Wir setzen uns dafür ein, schmackhafte und gesündere Alternativen – ja, gerade auch bei Süßigkeiten – anzubieten und einen aktiven Lebensstil zu fördern. Die neue Rezeptur bei KitKat ist ein weiterer Schritt in der weltweiten Nestlé Initiative zur Zuckerreduktion über alle Produktkategorien hinweg. Anfang dieses Jahres haben wir uns auch erneut dazu verpflichtet, bis 2020 europaweit um mindestens weitere 18.000 Tonnen weniger Zucker in unseren Produkten einzusetzen – oder, anders ausgedrückt, den Zuckergehalt durchschnittlich um 5 Prozent zu verringern.

naschkater.com: Aber wie stellen Sie sicher, dass die neue Rezeptur am Markt angenommen wird, bevor Sie KitKat millionenfach herstellen?

Dr. Ulrike Weichert: Sie können mir glauben, dass uns der Geschmack unserer Produkte heilig ist. Wir bringen kein Produkt auf den Markt, das unseren Konsumenten nicht schmeckt. Damit wir das aber nicht erst merken, wenn das Produkt bereits hergestellt und in den Supermarktregalen steht, haben wir ausgeklügelte Testverfahren. Wir testen zum Beispiel in einer Art Blindverkostung, dem Dreieckstest, ob der Tester bei zwei identischen Produkten das abweichende dritte herausschmecken kann. Oder wir lassen die Verbraucher in einem 60/40-Test unsere Produkte im Vergleich zum Mitbewerberprodukt probieren und ermitteln so, welches Lebensmittel geschmacklich bevorzugt wird. Unser Produkt gewinnt, wenn es von mindestens 60 Prozent der Tester bevorzugt wird. Über den Geschmack hinaus gibt es noch Konzept- und Claimtests – Sie sehen, bei uns kommt kein Produkt auf den Markt, das vorab nicht getestet wurde.

naschkater.com: Aber angenommen, mir schmeckt das neue Rezept überhaupt nicht – kann ich dann noch irgendwo das Original kaufen?

KitKat von Nestlé
So sieht die Verpackung des neuen KitKat von Nestlé aus: Mehr Milch und Kakao als früher. Aber wieviel?

Dr. Ulrike Weichert: Die neue Rezeptur erkennen Sie ist anhand des Aufdrucks „Now with extra Milk & Cocoa“ auf der Verpackung. Die neue Rezeptur gibt es seit April zu kaufen und sie wird je nach Rotation in dem jeweiligen Geschäft die alte ersetzen. Vielleicht haben Sie ja Glück und finden in einem etwas wenig frequentieren Geschäft noch die alte Version – falls Sie beide gegeneinander „Blindverkosten“ möchten. Ich wette, so ein Test würde Sie vollends überzeugen.

naschkater.com: Die Wette nehme ich an und führe auf jeden Fall noch eine Blindverkostung durch! Was anderes: Mir ist aufgefallen, dass auf den Plakaten kein UTZ-Siegel abgebildet ist, das für bessere Bedingungen im Kakaohandel steht. Machen Sie da etwa nicht mehr mit?

Dr. Ulrike Weichert: Der Kakao, den wir für KitKat einsetzen, stammt aus unserem Cocoa Plan. Damit setzt sich Nestlé für nachhaltigen Kakaoanbau ein und verbessert die Lebensbedingungen sowie die Erträge und Einkommen der Bauern. Das Siegel finden Sie auf der Rückseite der KitKat-Verpackung. Im Cocoa Plan arbeiten wir sehr eng mit Zertifizierungspartnern, wie Fair Trade/FLO Cert und UTZ zusammen, gehen aber auch über deren Standards hinaus…

naschkater.com: Ist diese ganze Weniger-Zucker-Initiative eigentlich eine „Spätfolge“ auf die Greenpeace-Kampagne gegen indonesisches Palmöl, die sich vor ein paar Jahren mit krassen Videospots gegen Nestlé richtete?

Dr. Ulrike Weichert: Nein, die Greenpeace-Kampagne hat nichts mit unseren Gründen zu tun, in unseren Rezepturen weniger Zucker einzusetzen. Und zum Thema Palmöl kann ich Ihnen nur sagen, dass dies als Zutat bei unseren Produkten insgesamt mengenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn wir Palmöl für die Produktion in Deutschland einsetzen, dann stammt dieses aus verantwortungsvollem Einkauf mit transparenten Lieferketten. So dürfen nach unseren Richtlinien zum Beispiel keine Plantagen auf Torfmooren oder Wäldern mit hohem CO2-Speicherwert angelegt werden.

naschkater.com: Das klingt doch gut. Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Welche Süßigkeit naschen Sie am liebsten und warum?

Dr. Ulrike Weichert: Persönlich mag ich die Zähflüssigkeit von Karamell in Kombination mit etwas Knusprigem gerne – wie zum Beispiel bei Lion. Oder die Mischung von salzig und süß – wie zum Beispiel in den ChoclaitChip Brezeln.

naschkater.com: Diese süß-salzige Kombi mag ich persönlich auch sehr gern! Vielleicht können wir gemeinsam erreichen, dass es die ChoclaitChip Brezeln häufiger zu kaufen gibt und nicht nur alle Jubeljahre! Abgesehen davon, Frau Dr. Weichert, danke ich Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.


In Deutschland gibt es neben dem klassischen 4-Finger-Riegel mit dunkler Schokolade noch die Varianten mit weißer Schokolade sowie Erdnussbutter, KitKat Chunky, Einzelsticks („Singles“), kleine Würfel namens Pop Chocs und sogar KitKat-Eiscreme. Diese Vielfalt an Sorten ist aber überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was in Asien, insbesondere Japan und Thailand in den Supermärkten zu finden ist: Dort gibt es über 300 Geschmacksrichtungen in den unglaublichsten Farb- und Formkreationen, wie z.B. das KitKat-Croissant oder Varianten mit Wasabi, roten Bohnen, Matcha, Sake und sogar Durian a.k.a. Stinkfrucht!

6 Gedanken zu „Nestlé verändert KitKat-Rezeptur: Doch bleibt der Geschmack erhalten? Naschkater fragt nach…

  1. Das neue KitKat schmeckt bei Weitem nicht mehr so herrlich nach Schokolade wie vorher, also wird viel mehr Milch als Kakao hinzugefügt worden sein, um Geld zu sparen. Echt schade, da KitKat mal echt lecker war!

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