Japan ist bekannt für seine Vielfalt an einzigartigen Getränken, von grünem Tee bis zu ausgefallenen Softdrinks. Ein besonders auffälliges Produkt in den Supermarktregalen ist das sogenannte „milchige Wasser“, meist unter dem Markennamen Calpis (international auch als Calpico verkauft). Es handelt sich dabei um ein Getränk, das in kleinen, meist durchsichtigen Kunststoffflaschen angeboten wird und durch seine milchig-weiße Farbe sofort ins Auge fällt.
Was ist „milchiges Wasser“ – Calpis/Calpico?
Calpis ist ein japanisches Erfrischungsgetränk, das auf fermentierter Milch basiert. Die Grundzutaten sind Wasser, Zucker (häufig Maissirup mit hohem Fructosegehalt), Magermilchpulver und ein Milchsäurebakteriengetränk. Hinzu kommen Säuerungsmittel wie Zitronensäure, Aromen und Stabilisatoren. Das Getränk schmeckt leicht süßlich und angenehm säuerlich, ähnlich wie ein sehr wässriger Joghurtdrink. Viele beschreiben den Geschmack als erfrischend und besonders an heißen Tagen als wohltuend.
Das Getränk gibt es in verschiedenen Varianten:
- Calpis Water: Die klassische, nicht kohlensäurehaltige Version.
- Calpis Soda: Mit Kohlensäure versetzt, oft auch in diversen Fruchtgeschmacksrichtungen wie Erdbeere, Mango oder Traube.
- Konzentrate: Zum Selbstmischen mit Wasser oder Milch, was besonders beliebt für individuelle Geschmacksvorlieben ist.
Ursprung und Zweck des Getränks
Calpis wurde 1919 von Mishima Kaiun entwickelt, nachdem er in der Mongolei ein fermentiertes Milchgetränk kennengelernt hatte. Ziel war es, ein gesundes, leicht verdauliches Getränk zu schaffen, das durch Milchsäurebakterien fermentiert wird und somit positive Effekte auf die Verdauung haben soll. Die Milchsäuregärung sorgt nicht nur für den charakteristischen Geschmack, sondern reduziert auch den Laktosegehalt im Vergleich zu reiner Milch.
Das Getränk wurde schnell populär, da es nicht nur erfrischend ist, sondern auch als gesund gilt. Es wird oft Kindern angeboten, um den Milchkonsum zu fördern, und ist heute ein fester Bestandteil der japanischen Getränkekultur.
Warum trinken Japaner Calpis, obwohl viele laktoseintolerant sind?
Ein scheinbarer Widerspruch: In Ostasien, und speziell in Japan, ist Laktoseintoleranz weit verbreitet. Studien zeigen, dass bis zu 90–100 % der erwachsenen Japaner einen Laktasemangel haben, also das Enzym fehlt, das Milchzucker (Laktose) spaltet. Das führt dazu, dass viele Japaner frische Milch schlecht vertragen und nach dem Konsum von Milchprodukten Verdauungsbeschwerden bekommen können.
Trotzdem sind Milchprodukte wie Calpis in Japan allgegenwärtig. Das hat mehrere Gründe:
- Fermentation verringert Laktose: Durch die Fermentation wird ein Großteil der Laktose abgebaut, sodass das Getränk auch für viele Menschen mit Laktoseintoleranz verträglich bleibt. Ähnlich wie bei Joghurt oder Kefir sind die enthaltenen Milchsäurebakterien in der Lage, Laktose teilweise zu spalten.
- Geringer Milchanteil: Calpis enthält nur einen relativ kleinen Anteil an Milchbestandteilen (meist Magermilchpulver), sodass die Laktosekonzentration deutlich niedriger ist als in reiner Milch.
- Individuelle Verträglichkeit: Viele Menschen mit Laktoseintoleranz können geringe Mengen Laktose aufnehmen, ohne Symptome zu bekommen. Die Toleranzgrenze ist individuell verschieden, und die in Calpis enthaltene Menge liegt oft unterhalb dieser Schwelle.
Kulturelle Bedeutung und Vielfalt
Calpis ist mehr als nur ein Getränk – es ist ein Stück japanischer Alltagskultur. Es gibt das Getränk in zahlreichen Geschmacksrichtungen (z.B. Erdbeere, Mango, Melone, Traube, Zitrone), als Eis, Bonbons oder sogar als Cocktailzutat2.Besonders im Sommer ist Calpis sehr beliebt, da es durch seine leichte Säure und den frischen Geschmack besonders erfrischend wirkt.
Das Design der Flaschen ist markant: Meist in Blau-Weiß gehalten, mit stilisierten Bläschen und Wellen, die das milchige, spritzige Erlebnis visuell unterstreichen1.
Das sogenannte „milchige Wasser“ der Marke Asahi – besser bekannt als Calpis oder Calpico – ist ein Paradebeispiel für die Innovationskraft der japanischen Getränkekultur. Es verbindet traditionelle Fermentationstechniken mit modernen Geschmacksrichtungen und spricht trotz der weit verbreiteten Laktoseintoleranz in Japan ein breites Publikum an. Die Fermentation macht das Getränk für viele verträglicher, und der einzigartige Geschmack sorgt dafür, dass Calpis bis heute ein Kultstatus in Japan zukommt.
Verschiedene japanische Milchwasser-Getränke von Asahi
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