Lemonhead, Airheads, Warheads und andere: Nischige US-Süßigkeiten

Mike and Ike Original Fruits USA 22G
Mike and Ike Original Fruits USA 22G

Es gibt so viele verrückte Süßigkeiten in den USA, dass es mir schwerfällt, alle zu sammeln und ordnen. Interessant finde ich dabei auch die nicht ganz so verbreiteten, nischigeren Produkte, die von kleineren Herstellern kommen. Ihnen möchte ich diesen Artikel widmen.

Beachte bitte auch die eigenständigen Beiträge zu Hershey, Skittles, Nerds, Rolo und Snickers

Starten wir das Ordnen mal mit US-Süßigkeiten mit „Head“ im Namen wie bei Lemonhead, Warhead oder Airheads. Head ist natürlich der Kopf, aber bei Lemonhead ist eher die Schädelform gemeint, die mit etwas Fantasie der Form des Zitronenbonbons ähnelt. Dagegen bezeichnet Warhead den Sprengkopf, also die Raketen‑ oder Bombenspitze. Der etwas pietätlose Name weist auf die Sprengkraft der enthaltenen Säure dieser Süßigkeit aus. Airhead wiederum bezeichnet einen „Hans-guck-in-die-Luft“ wie im Struwwelpeter, also jemanden, der etwas naiv und abgehoben durchs Leben schreitet. Und das passt eventuell zur luftig-leichten Textur des Fruchtkaubonbons.

Aber zu diesen Head-Süßigkeiten im einzelnen…

Lemonhead von Ferrara

Die Süßigkeitenmarke Lemonhead wurde 1962 von Nello Ferrara, Sohn des Firmengründers Salvatore Ferrara, bei der Ferrara Pan Candy Company in Chicago erfunden. Die Marke gehört heute zur Ferrara Candy Company, die seit 2017 zum italienischen Ferrero-Konzern (Nutella, Kinder) zählt. Zu den Produkten gehören die klassischen runden Lemonheads (Zitronengeschmack mit süßer Hülle, saurer Schicht und hartem Kern), Varianten wie Cherry, Grape, Watermelon, Orange, plus Chewy Lemonheads (weichere Gummivariante), Jawbreakers, Candy Canes und saisonale Sorten. Sie zeichnen sich durch den „Cold Panning“-Prozess aus – schichtweise Überzug mit Zucker, Citrinsäure und Aromen für knackige Textur und süß-sauer-Balance –, was sie von reinen Süßigkeiten abhebt und sie zu einem Klassiker macht.

Lemonheads sind landesweit in den USA beliebt, aber besonders im Mittleren Westen (Chicago-Region), an der Ostküste und in Kinos sowie Drugstores, wo sie Nostalgie wecken und bei Kindern/Jugendlichen durch Säure-Challenges punkten. Interessant: Sie folgten auf Ferraras Hits wie Atomic Fireballs (1954) und Red Hots (1932).

Die pH-Werte von Lemonhead-Bonbons liegen um 2,5 (zahnemaille-angreifend bei Überkonsum). 2024 wurde die Chewy-Variante vom Markt genommen.

Airheads von Perfetti Van Melle

Die Süßigkeitenmarke Airheads wurde 1985 von Steve Bruner, damals Marketingdirektor bei Van Melle (heute Perfetti Van Melle), in Erlanger, Kentucky, erfunden – der Name stammt von seinen Söhnen, die „Airhead“ für einen dummen Freund vorschlugen, vielleicht am ehesten mit Luftikus zu übersetzen. Die Marke gehört zur niederländisch-italienischen Perfetti Van Melle, einem globalen Konzern mit Produktion in den USA, Kanada und Europa.

Zu den Produkten zählen die klassischen Kaubonbonriegel in Aromen wie Cherry, Watermelon, Blue Raspberry, White Mystery (Überraschungs-Mix aus Restaromen), Green Apple sowie Xtremes (saurer), Bites, Sprays, Gum, Candy Canes und Kooperationen wie mit Mt. Dew. Sie zeichnen sich durch eine leichte, luftige, zähe Taffy-Textur aus (durch Strecken der Zuckermasse und Einarbeiten von Mais-Sirup, Citrinsäure und Fruchtaromen), bunte Verpackungen mit grinsendem Ballon-Maskottchen und Fruchtigkeit ohne Härtekern aus.

Airheads sind landesweit in den USA beliebt, besonders im Süden und Mittleren Westen (z. B. Kentucky, Texas), in Kinos, Drugstores und bei Jugendlichen durch Challenges und Nostalgie aus den 90ern. 

Warheads von Impact Confections

Die Süßigkeitenmarke Warheads wurde 1975 in Taiwan erfunden und 1993 von der Foreign Candy Company in Hull, Iowa, in die USA importiert, bevor Impact Confections in Janesville, Wisconsin, sie 2004 übernahm. Zu den Produkten zählen vor allem die Extreme Sour Hard Candies in Geschmacksrichtungen wie Blue Raspberry, Lemon, Green Apple, Black Cherry und Watermelon, ergänzt durch Varianten wie Sour Cubes, Sour Jelly Beans, Super Sour Spray, Sour Twists, Double Drops, Lil‘ Worms, Ooze Chewz, Sour Booms, Popping Candy, Sour Soda, Candy Canes und Taffy Bars. Sie zeichnen sich durch eine intensive „extreme“ Säure aus, verursacht durch Malinsäure (Malic Acid) als Außenschicht über Citrinsäure, die eine explosive Mundreizung erzeugt – der Name leitet sich von „Kriegskopf“ ab, mit Maskottchen Wally Warhead und einem Pilzwolken-Haarsymbol. Die Beliebtheit erstreckt sich landesweit in den USA, besonders bei Kindern und Jugendlichen durch Schul-Wettbewerbe („Wer hält die meisten aus?“), mit einem Umsatz von 40 Millionen USD im Jahr 1999.

Interessant ist, dass Warheads zu viralen Challenges und Reaktionsvideos auf TikTok und YouTube führen, mit pH-Werten bis 1,6 (ähnlich Batteriesäure), was Zahnemaille schädigen kann – Warnhinweise raten vor Reizungen bei sensiblen Mündern.

Frühere „Hotheads“-Varianten (scharfe Gummis) scheiterten kommerziell, während Erweiterungen wie Sour Fizzing Soda und Kooperationen (z. B. mit Sour Patch Kids) die Marke seit über 30 Jahren ikonisch halten. Die Produktion folgt strengen FDA-Standards, mit Fokus auf Qualitätszutaten wie Rohrzucker und natürliche Aromen.

Weitere Nischen-Süßigkeiten aus den USA

Mike and Ike

Die Süßigkeitenmarke Mike and Ike wurde 1940 von der US-Firma Just Born, Inc. mit Sitz in Bethlehem, Pennsylvania, eingeführt – der russische Immigrant Sam Born gründete das Familienunternehmen 1923 und erweiterte es durch Erwerb der Rodda Candy Company 1953, was neue Jellybean-Techniken für die Marke brachte. Just Born produziert auch Peeps und Hot Tamales.

Von Mike and Ike gibt es die klassischen chewy Fruchtgummis in Original Fruits (Cherry, Lemon, Strawberry, Lime, Orange), ergänzt durch Varianten wie Tropical Typhoon, Berry Blast, Mega Mix Sour, Root Beer, Cotton Candy, Jolly Joes, Jack and Jill sowie saisonale wie Mega Mango oder Zours. Sie zeichnen sich durch eine zähe, kaubare Jellybean-ähnliche Textur mit intensiven Fruchtaromen und farbiger Zuckerhülle aus, ideal für Kinos dank praktischer Boxen, mit einem Fokus auf Frische und Vielfalt seit den 1960er Jahren.

Mike and Ike sind landesweit in den USA beliebt, besonders im Nordosten (Pennsylvania, New York) und Mittleren Westen, in Kinos, Supermärkten und bei Jugendlichen durch Challenges sowie als Film-Snack-Klassiker.

Red Hots von Ferrara

Red Hots wurden um 1932 von Salvatore Ferrara bei der Ferrara Pan Candy Company in Chicago, USA, erfunden – als Teil einer Linie scharfer Bonbons, die auf italienischen „Konfetti“-Mandeln basierten und mit der traditionellen „Cold Panning“-Methode (schichtweiser Zuckermantel in rotierenden Pfannen) hergestellt wurden.
 
Die kleinen, glänzenden, zylinderförmigen Zimtbonbons sind heute weltweit verbreitet, vor allem in den USA (über 7 Ferrara-Fabriken), in Kinos, Supermärkten, Bulk-Bins und zu Valentinstag als Symbol für „heiße“ Leidenschaft – sie verkaufen sich jahreszeitlich stark und sind ikonisch seit den 1950er Jahren.
 

Ihre Besonderheit liegt in der explosiven Schärfe durch Zimtöl (Cinnamaldehyde), kombiniert mit knuspriger, glänzender Hülle aus Zucker und hartem Kern, was eine süß-scharfe Hitze erzeugt, ohne zu brennen – ideal für Challenges oder Deko in Apfeln, Kuchen oder Glühwein.​Zu den Varianten zählen die klassischen Red Hots Cinnamon Imperials (in Tüten, Boxen oder Bulk), ergänzt durch Red Hots Chewy (weichere Version), Cinnamon Hearts (Valentins-Form), Candy Canes (Weihnachten) sowie limitierte wie Mega oder Tropical – alles unter Ferrara (gehört seit 2017 zur Ferrero-Gruppe).

Toxic Waste von Candy Dynamtics

Die Süßigkeitenmarke Toxic Waste aus den USA wurde 2001 von der Firma Candy Dynamics Inc. (ehemals Family Sweets) mit Sitz in Indianapolis, Indiana, gegründet, wobei der fiktive Professor Sauernoggin als Markenfigur für extrem saure Innovationen steht. Zu den Produkten gehören vor allem die klassischen Sour Candy in Trommeln mit 16 Stücken (Geschmacksrichtungen wie Apfel, Schwarze Kirsche, Wassermelone, Zitrone, Blaue Himbeere sowie Varianten in Rot, Grün und Blau), ergänzt durch Smog Balls, Slime Lickers, Nuclear Fusion Bars, Sour Sprays und Chew Bars wie Nuclear Sludge.

Tonic Waste-Produkte zeichnen sich durch eine einzigartige Double-Action-Säure aus – harte, mit Säurepulver überzogene Hülle mit saurem Inneren –, packende Trommelverpackungen im Toxic-Waste-Design und Challenges wie „Wie lange hältst du es im Mund?“ aus, die vor allem Kinder und Jugendliche begeistern. Die Marke ist vor allem in den gesamten USA (besonders in Candy-Stores und bei Events wie Sweets & Snacks Expo) sowie Kanada populär, mit begrenzter Verfügbarkeit international in UK, Irland und Südafrika.

Die extreme Säure der Toxic Waste-Süßigkeiten entsteht übrigens hauptsächlich durch eine Kombination aus Citric Acid (E330) und Malic Acid (E296), wobei die Malic Acid besonders intensiv wirkt und die Zunge überstimuliert, was zu Wasser in den Augen und einer „Double-Action“-Säure führt. In Maßen sind sie für Erwachsene unbedenklich, können aber bei Überkonsum Mundreizungen, Erosion der Zahnemaille oder Verätzungen verursachen, weshalb Warnhinweise für sensible Personen und Kinder existieren.

Sour Patch Kids von Jaret International

Die Süßigkeitenmarke Sour Patch Kids wurde in den frühen 1970er Jahren von Frank Galatolie bei Jaret International in Ontario, Kanada, erfunden – ursprünglich als „Mars Men“ mit astronautenförmigen Gummibonbons. Sie gehört heute zu Mondelez International, das die Allen Candy Company  in den 1990er Jahren übernahm.

Zu den Produkten gehören klassische Soft & Chewy Gummies (Geschmacksrichtungen: Zitrone, Limette, Orange, Himbeere, plus Berry, Watermelon), Varianten wie „Extreme“ (mit Malinsäure), Big Bags, Family Size, Soft & Squishy, Watermelon, Tropical, Xploderz, Cereal, Ice Cream sowie saisonale wie Halloween-Boxen oder Candy Canes.

Sour Patch Kids zeichnen sich durch ein einzigartiges „Sour-then-Sweet“-Profil aus: Außenschicht aus Citrinsäure (E330), Weinsäure (E334) und Zucker sorgt für scharfe Säure (pH-Wert bis 2,5), gefolgt vom süßen Gummikern – weich, kaubar, figürlich als freche Kids gestaltet.

Sour Patch Kids sind in den gesamten USA beliebt, besonders in Kinos (als Movie-Theater-Staple), Convenience-Stores, bei Halloween und unter Jugendlichen durch virale TikTok-Challenges und Werbespots mit „mischievous“ Kids. Interessant sind ihre kulturelle Ikonenrolle seit den 1980er Jahren (Umsatzboom in den 90ern), Kooperationen (z. B. mit Videospielen), Co-Branding mit anderen Mondelez-Marken wie Oreo, vegane Varianten (meist pflanzlich) und Warnhinweise vor Zahnemaille-Schäden durch Säure.

Die Marke expandierte global (z. B. Carambar Very Bad Kids in Frankreich), mit neuen Aromen wie Grapes oder Blue und anhaltender Nostalgie-Wirkung über Generationen.

Whoppers Malted Milk Balls von Hersheys

Whoppers wurden 1939 von der Overland Candy Company in Chicago als „Giants“ (die Malz-Schoko-Bälle  Maltesers von Mars habe ich auch schon gesondert behandelt) eingeführt und 1949 von Leaf Brands unter dem Namen Whoppers neu lanciert – nach Fusionen (1947 mit Chicago Biscuit Co. etc.) und späterem Wechsel zu Hershey (1996).

Sie sind weltweit verbreitet, besonders in den USA (über Hershey-Fabriken), in Kinos, Supermärkten und Bulk-Verkäufen, mit ikonischen Kartonboxen seit 1950 (ursprünglich 2 für 1 Cent, später Cellophan-Röhrchen); saisonal stark zu Ostern (Robin Eggs) und Weihnachten (Sno-Balls). Ihre Besonderheit liegt im porösen Maltmilch-Kern mit Schokoladenmantel, der beim Kauen knackt und malzig-schokoladig schmeckt – ganz leicht salzig, aber vor allem schön süß.

Zu den Varianten zählen klassische Whoppers Malted Milk Balls (Tüten oder Boxen), Mini Whoppers (2000), saisonale Sno-Balls (Weihnachten), Robin Eggs (Ostern, hartes Schalen-Shell), Strawberry Milkshake (2006), Reese’s Peanut Butter (eingestellt 2014/15), Vanilla, Blueberry oder Orange Cream (2009/2016).

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