Löslicher Kaffee: Oft sehr süß, aber zu unrecht verrufen

Warum sperren sich die Deutschen bloß gegen löslichen Kaffee? Nicht alle, aber doch die meisten schauen despektierlich auf ihn herab wie auf eine etwas peinliche Notlösung, die man höchstens im Flugzeug oder einem billigen Hotelzimmer tolerieren kann. Vielleicht weil er so praktisch ist, da man nur heißes Wasser darauf gießen muss, und dadurch der Zeremonie des Kaffeezubereitens beraubt wird? Oder weil er den Eindruck eines Fertigprodukts erweckt, da nichts mehr gemahlen, abgemessen und aufgegossen werden muss? Oder liegt es daran, dass uns irgendwann in den 80er Jahren überall diese löslichen Cappuccinos von Mike Krüger und Consorten aus kleinen Aufreißtütchen serviert wurden, denen nach dem Übergießen eine kleine chemische Schaumhaube wuchs, die man dann noch mit den beiliegenden Schokostreuseln verfeinern konnte? Cappuccino galt damals – wie heute nur noch bei kombinierten Kaffee-oder-Suppe-Münzautomaten auf Autofähren und bei Fortbildungsträgern – als Mischung aus Kaffee und Kakao…  Das war so jämmerlich süß und so weit weg von einem italienischen Espresso mit Milchschaum, dass der schlechte Ruf des löslichen Kaffees bei uns für Jahrzehnte tief ins kollektive Gedächtnis eingeätzt wurde.  „Löslicher Kaffee: Oft sehr süß, aber zu unrecht verrufen“ weiterlesen

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Brand Extension: Whiskey als Praline, Bier als Chips – immer mehr Lizenzprodukte auf fremden Terrain

Bildschirmfoto 2016-08-01 um 18.24.34Einige Marken verkaufen Lizenzrechte für die Herstellung von Lebensmittelprodukten außerhalb ihres üblichen Terrains an Spezialisten, die dann dort die Marke exklusiv nutzen dürfen, ohne selbst in Erscheinung zu treten. Bei dieser Markenerweiterung (Brand Extension oder Category Extension sagt der Fachmann) wird die bestehende Marke auf ein Produkt in einer neuen Produktkategorie übertragen. Je nach den Eigentumsverhältnissen an Marken kann dies intern (im eigenen Unternehmen) oder extern (durch Lizenzierungen fremder Marken) geschehen. Besonders häufig und vermutlich erfolgreich kommen solche Brand Extensions bei Alkohol und Kaffee vor, die durch das Branding aromatisch aufgepeppt werden. Ebenfalls naheliegend ist die Verwendung von Schokolade-Labeln für Backmischungen, aber auch hier vermute ich Lizenzhandel und dass die Schokoladen-Firmen die Backmischungen nicht selbst hergestellt haben (mehr über originelle Backmischungen gibt es hier).

Allerdings kann man selten mit Bestimmtheit sagen, ob der Hersteller auch der Inhaber der Marke ist oder eine Lizenz an einen Dritten verkauft hat. Eher wahrscheinlich ist das bei Molkereiprodukten wie Eis, Milchdrinks und Joghurts etwa von Skittles, Bounty oder After Eight, die sich in den Kühlregalen finden. Den umgekehrten Weg ist das Brand „Magnum“ gegangen: Sie wurde als Eiscreme berühmt und wird inzwischen auch als Schokolade (mit fair gehandelten Zutaten!) angeboten. Die Kaffeevariationen von Jacobs sind Mischformen, weil sich hier zwei Unternehmen zusammen geschlossen haben (Jacobs Douwe Egbert mit 51% Besitzanteilen und Mondelez mit 49%), um ihr Kaffeegeschäft zu bündeln. Offensichtlich darf die gemeinsame Tochter die Schokomarken der Partner auf ihren Packungen vermarkten. Ob sie dafür eine Lizenzgebühr bezahlen oder verrechnen müssen, ist mir allerdings nicht bekannt. Wäre interessant zu wissen, ob es bei internationalen Großkonzernen wie Mondelez analog zum externen auch eine Abteilung für internes Licensing gibt… Und wann kommen endlich die Milka-Lippenpflegestifte?! Im folgenden zeige ich ein paar Beispiele für Brand Extensions im Food Bereich (es werden ständig mehr).

Brand Extensions von Oreo habe ich übrigens in einem separaten Beitrag zu Oreo aufgeführt und lasse die hier weg.

Ich unterscheide übrigens von der Brand Extension…

  1. Line Extensions: Also neue Sorten oder Geschmacksrichtungen bereits eingeführter Produkte, siehe dazu der entsprechende Beitrag über „Marken-Spin-offs“ hier;
  2. die Nutzung von Non-Food-Lizenzen wie zum Beispiel Comicfiguren, die auf einem Lebensmittel zusätzlich abgebildet sind;
  3. Produkte, auf denen zwei Marken abgebildet sind (davon mindestens eine aus dem Lebensmittelbereich). Letzteres nenne ich Marken-Crossover und stelle es in einem separaten Beitrag vor: „Crossover: Zwei Food Brands in einem Produkt“.

Der allerneuste Trend: Food Brands werden für Lippenpflegestifte verwendet. Weil das so viel war, habe ich dazu einen eigenen Beitrag verfasst.  „Brand Extension: Whiskey als Praline, Bier als Chips – immer mehr Lizenzprodukte auf fremden Terrain“ weiterlesen