Neue Pringles aus Tschechien und den USA: Bacon and Loud!

Es gibt eine neue Pringles-Reihe! Sogar mit einer eigenen Dosen-Größe (breiter, aber niedriger): Pringles Loud! Mir in drei verschiedenen Mais-Varianten zugegangen, nämlich Spicy Queso, Fierry Chili, Salsa Fiesta. Schmecken alle drei hervorragend!

Also weder ist die Geschmacksrichtung originell, noch die Bezeichnung: Pringles Bacon Flavour. Auf der Packung ist nicht mal Speck abgebildet, sondern nur ein heiße Pfanne mit darüber schwebenden Chips. Seltsam trostlos. Da sind wir von Pringles eigentlich viel witzigeres gewöhnt, aber diese in Tschechien gekaufte Dose kommt aus Polen und dort besitzt man offenbar nicht so viel humorvoll wie in England oder Amerika. Schade, denn geschmacklich sind sie gar nicht mal schlecht: die intensiv würzige Fleischnote erinnert stark an den übersalzten Geschmack der gestreiften Schinkenchips aus Weizen, die es früher immer bei Aldi gab. Enthalten sind 165 Gramm.

Die Pringles mit Bacon (Speck)-Geschmack wurden laut Frischesiegel in Polen hergestellt, wurden von mir aber in Tschechien erworben.

Deutlich besser gefallen mir da die neuen Pringles LOUD Crisps aus Maismehl, die es in den USA in den leckeren Sorten Spicy Queso, Fierry Chili Lime und Salsa Fiesta gibt: Alle kräftig im Geschmack, leicht scharf und zusätzlich entweder käsig, feurig oder fruchtig. Jede Dose enthält 154 Gramm. Bei mir kamen die aufgrund des Luftversand (für 35 Dollar!) allerdings arg zerbröselt an. Naja, Chipskrümel schmecken ja auch gut.

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Hilfstransport: Medikamente für Masuren

Alle sechs Wochen liefert die deutsche Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) gespendete Medikamente und Pflegehilfsmittel an ihre polnischen Sozialstationen. Doch warum „Humanitarian AID“ für ein Land, das seit dem 1. Mai Vollmitglied der EU ist? Oliver Numrich verfolgte den ersten zollfreien Polen-Hilfstransport von der deutschen Grenze bis zu den Patienten in den masurischen Dörfern.

Typisches Tour-Bild
Typisches Tour-Bild

Es gibt nur wenige Autobahnen in Polen. Deshalb braucht der mit Medikamenten und Pflegehilfsmitteln beladene Sattelschlepper einen vollen Tag von der deutschen Grenze bis in die Masuren im nordöstlichen Winkel des Landes. Pommern ist die Kornkammer Polens. Der Westen hat jetzt die EU, der Süden die Industrie, aber Masuren im Osten ist Polens Armenhaus. Die Arbeitslosigkeit liegt hier bei 30 Prozent. Es geht durch Alleen und dunkle Wälder, vorbei an Dörfern und Seen, über mal besser, mal schlechter ausgebaute Landstraßen, zum Teil über die alten Betonplatten, die Hitler für die „Reichsstraße 1“ von Aachen nach Kaliningrad – damals noch Königsberg – verlegen ließ. Früher war das hier Ostpreußen. Die deutsche Johanniter-Unfall-Hilfe liefert seit elf Jahren Hilfsgüter und will das auch weiterhin tun, obwohl Polen jetzt zur EU gehört. Olsztyn – Durch die Windschutzscheibe die ersten Eindrücke vom unbekannten Nachbarland: Vielen Häusern fehlen Putz und Wandfarbe, an manchen wird im jahrelangen Patchwork gewerkelt, andere verfallen. Im Gegensatz dazu die gigantischen Kirchenbauten, die gleich hinter maroden Bauernhöfen am Straßenrand auftauchen. „EU“ steht hier auf großen blauen Infotafeln und bedeutet: Ausbau von Straßen, neue Bürgersteige und Fahrradwege. Die Straßen werden nicht nur von uralten und ultraneuen Autos genutzt, sondern auch von Fußgängern, Fahrrädern, Pferdekutschen, Treckern. Dazwischen der 8-Tonner mit der leuchtend orangenen Aufschrift „Humanitarian AID – Die Johanniter“. Wenn er durch die polnischen Dörfer kurvt, zieht er die Blicke der Passanten auf sich. Seit 1993 liefern die deutschen Johanniter Hilfsgüter an ihre polnische Schwesterorganisation. Und sie wollen auch jetzt, da Polen zur EU gehört, nicht damit aufhören. Erste Station in der Woiwodschaft Warminsko-Mazurskie ist Mragowo, einst Sensburg. Nach knapper, herzlicher Begrüßung durch die Krankenschwestern werden eilig Pappkartons mit Medikamenten und in Plastik eingeschweißte Bündel von Holzkrücken ausgeladen und in eine umfunktionierte Wohnung im ersten Stock getragen. Im Büro beschwichtigt Schwester Ingrid Zacharewcz einen nervösen Patienten am Telefon. Hinter ihr eine Tafel, auf der eingetragen ist, an wen Rollstühle und Pflegebetten verliehen sind. Vorn auf dem Schreibtisch steht eine leere Sammelbüchse: „Auch deine Spende hilft den Kranken.“ Außerdem gehören ein Medikamentenlager, ein Materiallager und ein Behandlungszimmer, in dem zweimal in der Woche ein Arzt eine Sprechstunde abhält, zur Station. Hauptaufgabe ist die ambulante Pflege. Die Schwestern besuchen Patienten zuhause, die unter Altersgebrechlichkeit, Zucker, den Folgen eines Schlaganfalls oder einer Krebserkrankung leiden. Sie übernehmen auch das Waschen und Eincremen oder die Versorgung von Wunden und chronischen Krankheiten. Einmal in der Woche geben die Schwestern gegen Rezept und Quittung Medikamente an Bedürftige aus, die sich die Zuzahlungen nicht leisten können. Neben der Tür zur Medikamentenkammer steht ein Regal mit simpel gemachtem Holzspielzeug. „Eine Patientin mit Schlafstörungen bastelt das nachts“, erklärt mir Henryk Czerwinski, der Vorsitzende der polnischen Johanniter-Stiftung, „und weil wir niemals Geschenke ablehnen können, stellen wir es hierher.“ Czerwinski, geboren im polnischen „Ameryca“, hat die doppelte Staatsbürgerschaft und zwei Pässe. Im deutschen heißt er Heinz Otto mit Vornamen, im polnischen Henryk. Schwester Marianna Wilk, 37, mahnt zur Eile, der erste Pflegefall wartet. Sie ist seit der Gründung der Station dabei, war vorher im Städtischen Krankenhaus beschäftigt. Der aufgedrängte, viel zu heiße Kaffee, muss zurückbleiben – wie in Deutschland und überall sonst auf der Welt stehen die Pflegekräfte ständig unter Zeitdruck. Mit einem weißen Opel, den das deutsche Bundesinnenministerium gespendet hat, rasen wir über grünes Land, vorbei an umwucherten Feldern,

Überall der alte Papst in Stein
Überall der alte Papst in Stein

Marien-Kreuzen und Fliederbusch-Wäldern. Eine ländliche Idylle wie in einer Werbung für Backmischungen für Zupfkuchen nach Omas altem Originalrezept. Nach einer halben Stunde erreichen wir das Dorf Gora Mala. Hier haust der 78-jähirge Mariar Wierzbicki mit Frau in einer ärmlichen Bauernhütte. Ein Teil des Daches ist eingebrochen, die Holzwände der Scheune sind morsch, der ganze Hof wirkt kärglich und heruntergekommen. Vor der Hütte ist ein Kalb festgebunden – es trägt bereits entsprechend den EU-Vorschriften beide Identifizierungsknöpfe in den Ohren. Durch einen kleinen Flur mit Treppenaufgang gelangt man in den großen Küchenraum mit Feuerstelle, dahinter das Wohnzimmer. Es ist dunkel und muffig, Stroh und Unrat liegen auf dem Boden, der Putz an den Wänden bröckelt. Seit seinem Schlaganfall schläft Mariar hier in einem geliehenen Krankenbett. Wegen Diabetes und mangelnder Bewegung ist sein Fuß kaum durchblutet. Die Ärzte wollten ihn amputieren, doch seitdem die Schwestern zwei mal die Woche kommen, Mariar zum Aufstehen überreden und den Verband wechseln, verbessert sich sein Zustand. Früher konnte er auch ein paar Brocken Deutsch sprechen, doch selbst sein Polnisch ist jetzt nur noch Gemurmel. Als ich ihn auf Deutsch anspreche, antwortet er zur Verblüffung der Anwesenden in Deutsch: „Ich habe alles verlernt.“ Nachdem die Wunde versorgt ist, verbrennt Schwester Ingrid die verwendeten Einweghandschuhe im Küchenofen, um sicher zu gehen, dass Mariars Frau sie nicht weiterverwendet. Während der eiligen Rückfahrt zur Station erklärt mir die sechzigjährige Krankenschwester, warum die Situation in Polen so ist wie sie ist: „Heute hat keiner mehr Zeit für die Alten, alle müssen sich auf die neue Wirtschaft einstellen. Gerade die Menschen über 80 sind sehr allein.“ Viele Alte freuten sich so sehr auf den Besuch der Schwestern und auf das Gespräch, dass sie sie nicht mehr gehen lassen wollten. „Dann haben sie extra Kuchen für uns gebacken und sagen: Ihr könnt nicht gehen, ihr müsst erst Kuchen essen.“ Von Mragowo zieht der Hilfsgütertruck weiter zur Sozialstation in Glzycko, das mal Lötzen hieß. Auf dem Weg dorthin kommen wir bei Gierloz an Hitlers damaligen Befehlsstand „Wolfsschanze“ vorbei. Wo am 20. Juli 44 ein Bombenanschlag von Graf Stauffenberg missglückte, ist heute ein Museum. Die zwei Schwestern der Glzyckoer Station versorgen 80 Patienten. Nachdem die Hilfsladung gelöscht ist und alle zu Kaffee und „Merci“-Schokolade am kleinen Besprechungstisch verschnaufen, tritt Schwester Beata im vertraulichen Ton an Fahrer Klaus-Peter Plötz heran: „Ich habe noch einen Liebesbrief für Dich.“ – „Na, was kommt jetzt?“ fragt dieser ahnungsvoll. Schwester Beata liest einen Zettel vor von einem Mädchen mit Muskelschwund; die Akkus ihres Elektrorollstuhls hätten den Geist aufgegeben und seien in Polen schwer zu beschaffen und ohnehin zu teuer für die Familie. „Das Mädchen bittet Dich, ihr beim nächsten Mal neue Batterien mitzubringen“, flötet Beata. Plötz, ein bäriger, jovialer Typ stöhnt kurz auf und sagt dann: „Na, gib mir den Brief mal mit.“ Natürlich wird er die Spezialbatterien besorgen und irgendwem die nötigen 200 Euro aus den Rippen leiern. Rasch schiebt auch Schwester Barbara noch zwei Aufträge hinterher: Rheumasalbe und Schmerzmittel fehlten. Zur Kaffeerunde stößt auch Pfarrer Paul Hause. Er ist ebenfalls Vorstandsmitglied der polnischen Johanniterstiftung und seit vier Jahren als Vertrauenspfarrer seelischer Beistand der Schwestern der Sozialstationen. Im benachbarten Ketrzyn betreut er die mit 550 Gläubigen größte evangelische Gemeinde in den Masuren. „Vielleicht waren wir früher zu sozial“, sagt Pfarrer Hause, „aber die Umstellung jetzt ist sehr hart. Die Preise steigen, aber Gehälter und Renten bleiben. Keiner kann sich mehr etwas leisten.“ Gerade alte und chronisch kranke Menschen seien dringend auf die Unterstützung aus Deutschland angewiesen. Hause hat während des Theologiestudiums Deutsch gelernt, so kann er, wenn Sommer Gäste da sind, den

Vor dem Ausladen
Vor dem Ausladen

Gottesdienst zweisprachig abhalten. Gäste, das sind vor allem die „Heimwehtouristen“, die „Ostpreußler“, aus Deutschland, aber auch immer mehr Abenteuerlustige aus ganz Europa, die auf dem Fahrrad die Natur genießen wollen. Auf dem „Agro-Tourismus“ ruhen alle Hoffnungen. Denn die Landwirtschaft ist kleinteilig organisiert, der Mechanisierungsgrad gering und die Anbaumethoden sind veraltetet. Der Großteil der Höfe ist der europäischen Konkurrenz nicht gewachsen und nur mit Öko-Touristen, die ihre Ferien auf dem Bauernhof verbringen möchten, überlebensfähig. Dazu bietet die urtümliche Landschaft Wälder und Heideland zum Wandern, und dazwischen Seen, die besegelt werden wollen. Zudem gibt es in jedem Städtchen eine alte Ritterburg zu besichtigen, die EU baut Fahrradwege – allein die gastronomische und die Kur- und Fitness-Infrastruktur sind noch unterentwickelt. Zu einer Bibelstunde hat Hause einmal einen Karton mit zehn gebrauchten Brillen aus Deutschland mitgebracht – die waren am Ende der Stunde alle verteilt. Seine Zuhörer haben so lange aufprobiert, bis eine passte. Das örtliche Sozialamt habe so gut wie keine Hilfsmittel zur Verfügung, sagt Hause. „Deshalb wenden sich viele Gemeindemitglieder direkt an mich. Auch Katholiken fragen, ob ich ihnen über die Johanniter einen Gehstuhl besorgen kann oder Krücken.“ Im strömenden Regen fahren wir von Glzycko zur letzten Station nach Pisz, früher Johannisburg. In Pisz ist die Sozialstation über dem Sozialamt untergebracht, gleich neben den Räumen der örtlichen deutschen Gesellschaft, „Freundeskreis Rosch“. Deren Vorsitzende Mira Kreska, 78, ist zugleich Leiterin der Johanniter-Station. Wir begleiten die Schwestern in die alte Garnisonsstadt Orzysz („Arys, Du Mörder meiner Jugend“ sagten die Wehrmachtssoldaten) und besuchen dort den 31-jährigen Jaroslaw Szczesiul. Jaroslaw ist seit einem Motorradunfall vor zehn Jahren querschnittsgelähmt und verbringt die meiste Zeit im Bett. Eigentlich wolle sie mich ungern begleiten, sagt Kreska, könne das Elend des jungen Mannes schwer ertragen. Aber weil sie schließlich übersetzen muss, kommt sie doch mit in die 36qm kleine Wohnung, in der Jaroslaw mit seiner Mutter und zwei Schwestern lebt. Im Treppenhaus des Plattenbaus hängen Schienen neben den Treppenstufen, die man verwenden könnte, um den Rollstuhl über die Treppen zu schieben. Doch das Gefälle ist zu steil, als dass seine Mutter ihn im Rollstuhl hinunter und wieder hinauf zerren könnte. Das Bad so winzig, dass Jaroslaw es niemals betreten kann, er wird von der Mutter oder den Schwestern gewaschen. In sein schmales Zimmer passt gerade das Krankenbett und daneben ein altertümlicher, mit rotem Samt bespannte Rollstuhl, der an monarchistische Zeiten erinnert. Direkt am Fußende des Bettes steht ein Regal mit einer kleinen Flimmerkiste. „Tschesck“, begrüße ich ihn und frage, wie es ihm geht. „Schlecht“, sagt er und meint es ernst. Man erklärt mir, dass er sich zwar mit seiner Lage abgefunden habe, von einer Rehabilitationskur aber eine neue Krankheit mitgebracht hätte, die seinen Körper langsam auffräße. Bevor ich weitere Fragen stellen kann, beginnen die Schwestern damit, Jaroslaw auszuziehen und den Verband an seinem Gesäß zu öffnen. Sofort erfüllt sich die Kammer mit dem Geruch der eitrigen Wunde. Am After des Unglücklichen klafft eine großflächige, tief ins Fleisch gehende Wunde, die von den beiden Schwestern vorsichtig gesäubert und neu verbunden wird. Aber mehr können sie nicht tun. Auch der Hausarzt weiß nicht, wie das Ausbreiten der Wunde verhindert werden kann. „Wir brauchen neue, bessere Medikamente, sonst frisst ihn die Wunde auf“, sagt Schwester Sabina verzweifelt, „wir wissen gar nicht, wie wir ihm noch helfen können. Es heilt einfach nicht.“ Die beiden Krankenschwestern Sabine und Grazyna sind Jaroslaws beste Freunde geworden. Er erzählt ihnen alles. Wenn er sich mal mit der Mutter streitet, sind die Johanniter-Schwestern die einzigen, mit denen er reden kann. Sie sagen dann, er solle sich wieder versöhnen, wo die Mutter doch so viel für ihn tut. Im Wohnzimmer, das zugleich Schlafzimmer der Mutter ist, unterhalten sich Mira Kreska und Mutter Maria, 54. Maria Szczesiul hat angefangen, Deutsch zu lernen, wegen den Johannitern und wegen der EU. Weil sie ihren Sohn rund um die Uhr versorgen muss, kann sie nicht mehr arbeiten gehen. Ihr Mann hat sie verlassen und jetzt ist bei Jaroslaw auch noch die Infektion dazu gekommen. Von Jaroslaws Rente in Höhe von 600 Zloty bezahlt die Mutter Essen und „Pampers“. Allein die kosten jeden Monat 300 Zloty. Von ihrer Sozialhilfe bezahlt sie die Miete in Höhe von 500 Zloty, da bleibt kein Geld für Medikamente. Deshalb bringen die Johanniter bei ihrem wöchentlichen Besuch Antibiotika (150 Zloty pro Monat) sowie Salben und Verbandsmaterial mit. „Ohne die Schwestern, hätte ich mir schon längst das Leben genommen“, sagt Maria Szczesiul. Dann weint sie und Mira Kreska auch. (Fortsetzung folgt) Oliver Numrich

Polen gehört jetzt zur EU: Bye-bye Butterfahrt

Ute heißt unser Ausflugsdampfer
Ute heißt unser Ausflugsdampfer

Bis 30. April konnten Berliner für 5,99 Euro ganztägige Lustreisen gen Osten unternehmen und dabei zollfrei Zigaretten und Schnaps einkaufen. Seit dem 1. Mai 2004 sind die Nachbarländer Polen und Tschechien EU und Butterfahrten Geschichte. Oliver Numrich hat an einer finalen Drogeneinkaufstour teilgenommen.

6:15 Uhr, Ku‘damm, Ecke Kranzler. Auf dem viel besungenen Trottoir stehen die Ausflügler in kleinen Grüppchen im Nieselregen und warten. Ihr Durchschnittsalter liegt deutlich über 60, das Durchschnittsgewicht etwa 20 Kilo über dem Ideal. Als die grün-blauen Holiday-Busse anrauschen bilden sich sofort Schlangen vor den Einstiegsluken. Von hinten wird kräftig geschoben und gemotzt: „Macht mal voran da.“ Als sich ein greises Mütterchen mit Gehstuhl und schiefer Perücke seitlich heranpirscht, stützt eine Mitreisende den Arm gegen die Buswand und versperrt den Weg: „Wir warten hier alle.“ Minuten später quält sich die resolute Butterreisende selbst den Einstieg hinauf, und als sie auf halber Strecke das Gleichgewicht verliert, müssen die grauhaarigen Hintermänner abstützen und pressen und schieben sie in den Doppeldecker. Den an der Bordpentry lehnenden Busfahrer juckt das nicht, er guckt dem Treiben ungerührt zu. Bei ihm muss jetzt und hier am Einstieg der Fahrpreis von 5,99 Euro bezahlt werden. Wer 6,- Euro gibt, kriegt zwar keinen Cent zurück, doch das Geschäft lohnt sich trotzdem: Der Preis enthält nicht nur den Bustransfer zum Anleger in Ueckermünde und die Schiffsrundfahrt im Stettiner Haff. Es ist auch ein Begrüßungsdrink, Mittagessen an Bord (Was wird es geben?) und ein mysteriöses Reederei-Geschenk inkludiert. Dass den Fahrgästen Geschenke versprochen werden, kennt man eigentlich nur von Verkaufsfahrten und es könnte ein Hinweis für den kritischen Geiz-Touristen sein, dass es hier nicht vordringlich um landschaftliche Naturschönheiten geht. Tatsächlich bekommt das Busunternehmen von der Reederei pro Fahrgast, den es am Anleger abliefert, eine Kopfpauschale, und kann die Tour dadurch so preiswert anbieten. Die Reederei ihrerseits holt sich das Geld von den Reisenden im Duty-Free-Shop zurück. Denn mitnichten ist das Stettiner Haff das Ziel der Beschaffungstour, die sich als Ausflug tarnt. Ziel ist einzig der Spätkauf mit der verlockenden steuerfreien Warenpalette. Was in den 50er Jahren bei der Einführung des zollfreien Einkaufs ein erfreulicher Nebeneffekt war, ist für meine nikotinsüchtigen Mitreisenden einziger Anlass der Reise. Nachdem ich mehrmals von Senioren abgedrängt wurde, besteige ich den Bus und ahne, warum es so lange dauert: Der schnauzbärtige Fahrer durchkämmt bei jedem Neuzugang eine mehrseitige Namensliste und hakt ab oder sagt: „Ne, se sitzen im andern Bus.“ Denn in diesen, den letzten Tagen der Butterfahrt, starten bis zu vier vollbesetzte Fahrzeuge Richtung Nordost-Vorpommern. Pechvögel müssen mehrmals anstehen, bis sie den vorgesehenen Sitzplatz erreichen – so was sagt einem auch keiner vorher. Mir wird 7A im Oberdeck des „Komfortreisebusses mit WC“ zugewiesen. Dort ist es klaustrophobisch eng, denn nach vorne scheint der Bus sich noch zu verjüngen, wird immer niedriger. Auf dem Platz neben 7A sitzt bereits die voluminöse Dame mit dem Absperr-Arm. Sie trägt eine Capri-Jeans, aus der champagnerfarbende Stützstrümpfe ragen, liest B.Z. und füllt ihren Reiseplatz komplett aus. Dass während der Fahrt die Sitze am Gang noch fünf Zentimeter zur Seite geschoben werden können, hilft überhaupt nichts, versperrt lediglich den einzigen Fluchtweg. Wie blanker Hohn erscheint die neue Busgurtpflicht – es gibt ohnehin kein Entrinnen. Bevor wir Berlin verlassen haben, kriege ich Genicksteife vom seitlichen aus dem Fenster Sehen.

Gute Stimmung auch im Rauchersalon
Gute Stimmung auch im Rauchersalon

Auf 6C wird derweil eine mitgebrachte Frikadellenbox geöffnet, die sie sofort ihr kräftiges Zwiebel-Fett-Aroma verströmt, und unter den Mitgliedern einer kleinen Reisegruppe bestehend aus drei Ehepaaren herum gereicht. Hinter mir auf 8A und B wird ohne Unterlass gestritten: „Wenn du nur einen Tag den Schnabel halten würdest und nicht rummotzen, das wär was. Sage ich mal was…“ <> „Du meckerst ja immer!“ <> „Wenn ich mal was sage, dann (in weinerlichen Tonfall) ‚Das hab ich nicht verstanden‘. Ich möchte dich mal sehen, wenn Du immer ‚häh‘ zu mir sagst.“ <> „Häh, was sag ich?“ <> „Du guckst jetzt aus dem Fenster und sagst kein Wort mehr…“ Es sind vor allem einfache Leute, die diese Tour machen. Leute mit wenig Geld, die so wirken, als seien sie schon oft zu kurz gekommen in ihrem Leben und als wollten sie sich jetzt nichts mehr vergeben. Auch keine Höflichkeit. Nach einer kurzen Begrüßungsdurchsage, in der sich unser Chauffeur als Dieter vorstellt und den weiteren Reiseverlauf skizziert, plärren gruselige Radiosender aus dem hifi-technisch top-ausgestatteten Luxusbus: erst Spree-Radio, dann Antenne Brandenburg, danach die von Mecklenburg-Vorpommern. Bei allem Ungemach wird Service im Bus ganz groß geschrieben. Auf Knopfdruck quält sich die burschikose Hostess Heike, 50, schwarze Lederhose, durch die Reihen und erfüllt dem Komfortreisenden fast jegliches Begehr: Bier gibt es, Wasser und Kaffee. Letzterer wird aber erst ab Autobahn serviert, denn in der Stadt schwankt es im Oberdeck wie auf einem Hochseekutter. Es ist acht Uhr, als bei ihr die ersten drei Berliner Pilsener-Flaschen für drei Euro geordert werden. 7B isst derweil Dosen-Waffelröhrchen von Lidl und schwelgt mit der anderen Gangseite in Lutschbonbon-Phantasien; Süßwaren wie gefüllte Fasermint-Schokolade, Riesentafeln Milka oder Englisches Weingummi sind Butterfahrt-Klassiker. Im Bus der Nikotinreisenden herrscht totales Raucherverbot, deshalb steht nach kurzer Fahrt die erste Zigarettenpause an: Alle fahren die Sitze nach innen, stehen mit eingezogenem Kopf im Gang und drängeln wieder, diesmal nach draußen. Zäh tröpfelt der Tross die Treppe herunter, zweiteilt sich in Richtung Rasthof-Windfang und Pachttoilette. Zwar steht auch eine bordeigene Toilettenkammer zur Verfügung, jedoch würde kaum ein Mitfahrender hineinpassen. Nach einer hastigen Kippe in morgendlicher Kühle geht es weiter. Hinter der Autobahn kommen wir an vereinzelten Plattenbauten, einem Baumarkt-Center und scheinbar endlosen Kasernen vorbei. Die letzte Strecke kurvt der Omnibus durch die waldige Ueckermünder Heide, als Dieter ein verlockendes Angebot macht: „Auf der Rückfahrt bieten wir wieder unsere leckere Wurscht an. Die Heike kommt jetzt mal und fragt, wer alles ne schöne, dicke Wurscht haben möchte, damit wir das passgenau vorbereiten können. Kostet 1,30.“ Gegen 9:30 Uhr erreichen wir Ueckermünde. „Und wir sind wieder mal die ersten“, verkündet Dieter stolz per Durchsage. Die Fahrgäste trampeln und tuscheln anerkennend: „Ja, die anderen sind noch nicht da.“ Jeder weiß: Der erste Bus sein bedeutet freie Platzwahl an Bord der Fähre. Das ist jetzt, wo die letzten Duty-Free-Dampfer auch schon mal überbucht sind und Sitzplätze fehlen, besonders wichtig. Mit der strengen Warnung, auf der Heimreise im Bus keine Fischbrötchen zu essen, entlässt uns Holiday-Dieter in die Arme der Mitarbeiter der Reederei Peters, von denen uns zwei direkt vor dem Bus erwarten. Jetzt erhalten wir die vier verschiedenen Gutscheine für Schifffahrt, Begrüßungsdrink und so weiter. Die Pappbillets sind schon reichlich abgegriffen, zum Glück treten sie mit uns zu ihrer letzten Reise an. Die winzige Zollbude in der kleinen Hafenbucht lässt die Alten anstandslos ausreisen. Nur der Ausweis eines anderen dreißigjährigen Mannes und meiner werden für ein paar Minuten von den Beamten einbehalten und durch den Computer gejagt. Offenbar besteht für uns beide kein Haftbefehl und wir dürfen einschiffen auf der MS Ute.

Begleiter
Begleiter

Die Zeit steht still auf der Nikotin-Galeere
Die 20-jährige Ute ist 38 Meter lang, 12 Meter breit, hat einen Tiefgang von 2,50 Metern und eine Motorleistung von zweimal 419 Kilowatt. In zwei Raucher- und einem Nichtrauchersalon befördert sie bis zu 300 Personen. Im Eingangsbereich stehen Geldspielautomaten, im unteren Salon für die Raucher spielt ein Alleinunterhalter „Man müsste noch mal 20 sein, Junge, was wär‘ das schön…“. An zwei Tresen gibt es Bier für 1,50 Euro, Kaffee für 1,40 Euro, beides plus 50 Cent Pfand. Trinkgelder sind die Ausnahme. Die Reederei Peters GmbH & Co KG hatte neben der Ute noch das gleich große Schwesterschiff „Liivi Laht“ im Rennen. Beide sind zum 1. Mai verkauft, fast alle Angestellten zum selben Stichtag beim Arbeitsamt angemeldet. Das Ende ist nahe und deshalb wird nicht mehr investiert: Ute wirkt runtergewirtschaftet, die einfachen Holzstühle haben keine Kissen, Nikotinschwaden durchwandern alle Räume, viele Fensterscheiben, durch die wir das Stettiner Haff genießen sollen, sind blind. Dabei hat das 260 km² große Landschaftsschutzgebiet Stettiner Haff was zu bieten: Die Küstenregion ist mit allen Freuden des Wassersports und Badewesens wie Sandstränden, Badebuchten, Bootsanlegestellen und so weiter gesegnet. Es grünt an ihren Gestaden – mit Ausnahme der Stellen, an denen gespenstisch weiße, abgestorbene Bäume auf dem Uferstreifen stehen. Die Bäume sind vom Kot Hunderter Kormorane verklebt, die hier nach Fische jagen. Ich bekomme einen Platz im kargen Nichtraucher-Salon, der von den ältlichen Drogenkurieren bevorzugt wird, die die Zigaretten für andere beschaffen. Mit mir am Tisch sitzt ein Pärchen, das sich auf den ersten Blick abhebt: beide um die 60, aber er trägt ein Hemd und sie Goldschmuck und Lippenstift. Trotzdem genießen beide mit Hilfe von Gutschein Nr. 2 einen violetten, süßlichen Pflaumenschnaps als Begrüßungsdrink. Dazu wird von vielen Fahrgästen ein frisches Matjesbrötchen als passend empfunden. Das kostet 1,80 Euro und schmeckt  tatsächlich köstlich. Während der Fahrt ärgert sich das Snob-Pärchen mit dem Kreuzworträtsel der BILD-Zeitung: „Was ist denn Apfelwein?“<>„Sze, ih, de, er, e.“<>„Und hier, Gestalt der deutschen Heldensagen? Sigrid passt nicht.“ Während wir gemächlich über die Uecker in Richtung Haff gondeln, komme ich ins Gespräch mit meinem Sitznachbarn Werner. Der Witwer ist 87 und aus Berlin, reist mit seiner Altersheimfreundin Gerda, 85. Früher war Werner BVG- und Taxifahrer in Berlin, heute bezahlt ihm das Sozialamt die Heimunterbringung. Er nimmt jede Woche an ein oder zwei preiswerten Ausflugsfahrten teil, im Moment konzentriert er sich ganz auf die letzten Butterfahrten, um noch so viele Zigaretten wie möglich ranzuschaffen. Dabei ist er selbst Nichtraucher, aber er vertickt den zollfreien Tabak an abhängige Mitbewohner weiter und macht damit pro Stange zwischen acht und zehn Euro Gewinn. So hat er die Fahrtkosten samt Matjesbrötchen wieder raus und trotzdem sind die Rauchwaren für die Heimbewohner immer noch billiger als am Kiosk. Damit ist jetzt Schluss. Zwar könnte Werner sich darauf verlegen, zukünftig mit polnischen Zigaretten zu handeln, die preiswerter sind als die deutschen. Aber in diesem Fall macht der Preisunterschied nicht die Steuerersparnis, sondern die Qualität aus. Werden jetzt Tabakwaren aus deutscher oder wenigstens westeuropäischer Produktion auf den Ausflugskuttern verkauft, sind die Zigaretten aus Polen und den anderen osteuropäischen Staaten von anderer Güte. Seine Kunden, erzählt Werner, schmeckten die polnischen Zigaretten nicht. Außerdem geht das Gerücht, man bekomme von ihnen Ablagerungen in der Speiseröhre, die operativ entfernt werden müssten. Deutsche Glimmstengel sind natürlich gesünder… Als wir die Ueckermündung verlassen, öffnen sich endlich die Türen zum Kleinpreisparadies und es bildet sich eine Schlange quer durch den Raum. Auch Werner und ich stellen uns an, um nichts zu verpassen. Es geht eine steile Treppe hinunter im Heck des Schiffs. Hinter mir wartet eine vielleicht 70-jährige Frau. Stufe um Stufe fällt sie voran, im schmerzverzerrtem Gesicht steht „Auch ich habe ein Recht auf billige Zigaretten.“ Denn auch die Lahmen und Fußkranken müssen die letzten Meter selbst zurücklegen – es ist wie eine peinigende Wallfahrt. Endlich darf ich einen Einkaufskorb nehmen. Im fensterlosen Intershop werden die Duty-Free-Klassiker in aschfahlem Neonlicht präsentiert. Gleich am Eingang liegen Hunderte der begehrten Zigarettenstangen in Metallregalen. Eine Stange „West“ kostet 10 Euro, „Marlboro“ 12, No-Name-Zichten gibt es ab 8. Für euch, blöde Stangen, also der ganze Aufwand, das frühe Aufstehen, die schreckliche Busfahrt, Gefangenschaft auf der Galeere und all das Gezänk. Pro Kopf dürfen 200 Zigaretten zollfrei eingeführt werden, also einer Stange. Dazu kommen die Stangen, die Werner auf nichtrauchenden Begleiter verteilt und die losen Zigarillo-Schachteln, die er in Jacken- und Hosentaschen schmuggelt. Auch ich nehme eine Stange von ihm auf mein Kontingent. Es folgen Spirituosen und Bier, Schokoladen und Gummibärchen in Großpackungen, ein paar Produkte aus dem Bereich der Nahrungsmittelergänzung wie Magnesium-Sprudeltabellten für 51 Cent und als kaum beachtete Bückware kurz vor der Kasse Seife, Kaffee und die Namenspatronin: Markenbutter. Ich kaufe ein Fläschchen „Danziger Goldwasser“ für 6,90 Euro. An der Kasse gibt es gegen Gutschein Nr. 3 das Reederei-Geschenk: Eine Dose Wiener Würstchen von Aldi. Der Parfüm-Shop im Oberdeck erfreut sich dagegen keiner großen Beliebtheit. Bei Bedarf eilt eine Mitarbeiterin aus der Kombüse herbei, um Düfte vorzuführen. Pour homme gibt es auch nur noch Aftershaves. Wer was von Gucci kauft, kriegt den Tester gleich mit dazu, denn der wird nicht mehr gebraucht. Aber kaufen tut dann doch keiner, trotz Preissenkungen. Also hetzt die patente Verkäuferin und Köchin wieder zurück und kümmert sich ums Mittagessen. Gegen 11.30 Uhr ist es an der Zeit, den letzten verbliebenen Gutschein Nr. 4 bereit zu halten: Das Mittagessen wird aufgetragen: Es gibt für jeden einen Teller mit einem Königsberger Klops, zwei Kartoffeln und einem Klecks Weißkohlsalat. Als dem Mütterchen mit Gehstuhl serviert wird, ruft sie „Bitte einpacken!“<> „Eingepackt wird nicht“ schallt es vom Steward zurück. „Ich darf kein Rind und kein Schwein essen!“ erklärt sie in den Raum, als er längst wieder zum Nachschub holen verschwunden ist. Trotzdem argwöhnisches Getuschel und Kopfschütteln an allen Tischen: „Pö, haste das jehört: Darf keen Rind und keen Schwein essen. Soll se doch zu Hause bleiben!“ Wir erreichen den Hafen von Swinemünde. Kaum einer blickt nach draußen. Was gibt es da schon zu sehen, das Ufer sieht ja auf beiden Seiten der Grenze gleich aus. Nicht mal im Hafen von Swinemünde lässt sich viel mehr als der Rest einer abgewrackten polnischen U-Bott-Flotille ausmachen, weil unser Schiff nur einem industriellen Seitenhafen festmacht, um die Hafengebühren zu sparen. Von der Reeling aus beobachten ein paar Nikotinleichen, wie ein Mitarbeiter der Hafenverwaltung – vielleicht auch ein polnischer Zollbeamter – ins Schiff steigt. Die Lautsprecherdurchsage erklärt uns, dass bürokratische Zollformalitäten zu erledigen sind und der Shop so lange leider schließen müsse. In diesen Minuten erreicht die Fahrt ihren traurigen Tiefpunkt: Theoretisch sind wir jetzt in Polen, praktisch sehen wir nichts; sind nur gestrandet an einem Industriehafen ohne menschliches Leben. Die Zeit steht still: Willkommen in der EU. Und der Shop ist auch geschlossen. Dann endlich: Leinen los für die Rückfahrt. Es ist 14:30 Uhr und die Gespräche im qualmenden Salon tristesse werden lauter, die Biere und der Sauerstoffmangel lassen die Stimmung steigen. Irgendwo gibt es Ärger, weil ein Duty-Free-Kunde eine so eben gekaufte Schnapsflasche leert – das ist natürlich verboten, Korkgeld wird fällig. „Guck mal“, sagt Werner zu seiner Begleiterin und zeigt aus dem Fenster: „polnische Möwen.“ Auch für sie wird das Überleben schwerer, wenn die Tagestouristen ausbleiben und nicht mehr mit Brot und Zigarettenstummeln nach ihnen werfen. Wenn es keine Butterfahrten mehr gibt, wollen Werner und Gerda wieder mehr mit der Bahn fahren. Durch ihren Behindertenausweis kann er als Begleiter mit, dann ist es bezahlbar. „Ja, ja, Holiday hat auch schon umgestellt,“ krächzt er im Berliner Fistelton, „die fahren jetzt viel in den Harz, für 10 Euro nach Quedlinburg. Ich hab uns schon angemeldet.“ Oliver Numrich

Keine Butter gekauft
Keine Butter gekauft

Polnische Lesben und Schwule im Berliner Exil

“Es ist eine Schande, dass dieser Mann hier sprechen darf. Dieser Mann ist ein Antidemokrat, und er verhetzt das polnische Volk. Damit ist er mitverantwortlich für Gewalt gegen Schwule und Lesben!“ Bei seinem Deutschlandbesuch Anfang des Jahres musste sich Polens Staatspräsident Lech Kaczynski eine ungewöhnliche Standpauke anhören. Deutsche und polnische Lesben und Schwule stürmten den Festakt in der Humboldt-Universität, in der Kaczynski eigentlich über Europa dozieren wollte. Stattdessen outet ihn ein Homo-Aktivist als Volksverhetzer und Schwulenhasser. Der Redner hatte sich im Tumult zur Bühne vorgekämpft, auf der Bodyguards den ausländischen Staatsbesuch mit Regenschirmen vor Eierwürfen schützten. „Polnische Lesben und Schwule im Berliner Exil“ weiterlesen