Schleichwerbung im Groschenroman: 5.000 Hefte liegen in Krankenwagen aus


In Regensburg hatten die Wohlfahrtsorganisationen Johanniter und Malteser Gelegenheit, sich mit einer neuen Werbeform an die Zielgruppe Senioren zu wenden: mit redaktioneller Werbung in Groschenromanen. „Als erstes,“ sagte Prof. Gabriel, „werden wir sie in der Donauklinik wieder auf die Beine stellen.“ Er bemerkte, wie sich Frau Grubers Gesichtszüge allmählich entspannten. „Zweitens aber müssen sie mir versprechen, dass sie nach ihrer Entlassung eines dieser Hausnotrufgeräte in ihrer Wohnung aufstellen lassen“, fuhr er fort, „so ein Gerät können sie sich nämlich ohne großen Aufwand von der Johanniter-Unfall-Hilfe an ihre Telefonbuchse anschließen lassen…“ Im neu erschienenen Groschenheft „Lebe weiter, Sabinchen“ von Dr. Sigmund Wilkens kommen die Regensburger Johanniter nicht zufällig vor – sie haben sich in den Roman eingekauft. Der Verlag „Einzelstück“ geht damit neue Marketingwege. Er bot Regensburger Unternehmen und Einzelpersonen an, sich im Arztroman verewigen zu lassen. „Anfangs lag der Preis zwischen gut und böse: Für Nennung des Hausnotrufs und eine viertelseitige Anzeige wollte der Vermarkter 2.800 Euro haben“, sagt Regionalvorstand Ernst Provinsky, 47. Doch die Johanniter drückten den Preis, indem sie flankierende Werbemaßnahmen übernahmen: Am Erscheinungstag lieferten sie die Erstauflage mit dem Krankenwagen aus: Hunderte Hefte verteilten sie in der Innenstadt vor Galeria Kaufhof. Außerdem erhielten alle Menüservice-Kunden ein Heft mit dem Essen geliefert, wurden Kita-Eltern und Mitarbeiter der Groschenroman zugesteckt. Insgesamt haben die Johanniter so fast 5.000 Exemplare unter die Regensburger Bevölkerung gestreut. „Die Resonanz ist sehr gut“, sagt  Provinsky, „Presse und Fernsehen waren da, alle fanden das eine gute Idee.“ Gleich neben dem zitierten Text prangt dann eine Anzeige der Johanniter-Hausnotruf mit Bestelladresse. Tatsächlich hat sich eine schnelle Leserin mit einer behinderter Tochter und pflegebedürftiger Mutter schon gemeldet: Sie kannte Hausnotruf nicht und möchte ihn jetzt bei den Johannitern bestellen. Regensburger Intima erhielt der in der Toskana lebende Autor übrigens über einen öffentlich aufgestellten „Ratschkasten“, in den jeder Bürger Zettel mit Geschichtchen, Anekdoten, Klatsch und Tratsch einwerfen konnte. Oliver Numrich

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