Herrenkosmetik: Nichts verstecken!


Seit der französische Präsident Nikolas Sarkozy öffentlich seine aus Wahlkampfmitteln bezahlten Kosmetika im Wert von 34.000 Euro rechtfertigte, ist Schminke für Männer kein Tabu mehr. Im Gegenteil: Eine in jeder Situation makellose, gesund aussehende Haut, gleichermaßen straff wie feinporig, mit gleichmäßig gebräuntem Taint, gilt für immer mehr Männer als Statussymbol, als Zeichen von wirtschaftlichem Erfolg und gutem Leben. „Alle Salons und Institute setzen auf männliche Kundschaft“, meint auch Durrer, „denn die Männer kommen dahinter, dass sie mit gepflegtem Äußeren mehr Chancen haben – in der Liebe wie im Beruf. Schöne Menschen haben es eben allgemein leichter.“

Männerhaut gesund und frisch zu erhalten, beginnt schon mit der richtigen Pflege. So sollten Männer morgens statt Rasierwasser, das brennt und die Haut austrocknet, milde Balms oder Gels auftragen. Zum Beispiel das leichte, frühlingsfrische Fluid Men’s Hydro Complex von Dr. Spiller Biocosmetics oder das belebende After Shave Gel vom selben Hersteller mit Aloevera und Panthenol, um Rötungen oder kleineren Oberflächenverletzungen zu begegnen. Die Biocosmetics-Produkte enthalten natürliche Inhaltsstoffe und wenig Parfüm- oder Konservierungsstoffe. Dadurch sind sie auch für Männer mit Allergien oder besonders sensibler Haut gut verträglich. Auch kann eine getönte Tagescreme oder ein leichtes Make-up aufgelegt werden, zum Beispiel HDTV von Durrer, das extrem dünnflüssig und extrem unsichtbar ist. Es kann hauchdünn aufgetragen werden und deckt trotzdem gut und schafft ein ebenmäßiges Hautbild. Das Make-up wurde von Durer ursprünglich für das neue, hoch auflösende Fernsehformat HDTV entwickelt, bei dem zu dick aufgetragene Schminke deutlich sichtbar wurde. Für Männer, die sich mehr trauen gibt es sogar Lippenstifte. Natürlich in dezenten Tönen von rosa bis bräunlich. „Die werden aber sehr, sehr selten verlangt“, sagt Durrer, „viele haben Angst, dass er abfärbt oder verschmiert.“ Bei der Grundierung machen die Berliner Männer schon eher mit. Manche lassen sich zudem die Augenbrauen nachzeichnen oder die Augen mit Kajal betonen. „Ein gutes Make-up für Herren ist immer das, was man nicht sieht“, sagt Durrer, „schön, aber nicht geschminkt soll er aussehen.“ Denn dass jemand sehen könnte, dass sie geschminkt sind, davor haben die meisten Männer außer Sarkozy größte Angst.

Style der Berlinerinnen fällt bei Durer durch

Berlin ist die ungestylteste Stadt Deutschlands“, sagt Beni Durrer, Visagist und  Kosmetiker, der vor 11 Jahren aus der Schweiz ins styl-technische Niemandsland zog. Mit einer Visagistenschule, einem Kosmetiksalon in der Motzstraße und einer eigenen Produktlinie, die 900 verschiedenen Artikel umfasst, arbeitet Durrer seitdem daran, die Berliner salonfähig zu machen. Doch das, findet er, ist kein leichter Job: „Es ist eigentlich eine Schande, wenn man unsere Stadt mit anderen Weltstädten vergleicht. Wie die Leute hier rumlaufen, da sind wir auf der Schönheitsskala ganz unten – Frauen wie Männer gleichermaßen.“ Damit kritisiert Durrer nicht ausgefallene Mode-Ideen oder individuelle Aufmachungen, die in dieser Stadt zweifellos zuhause sind. Schließlich gibt es heute in der Mode und auch in der Kosmetik nicht mehr den einen Trend, den alle mitmachen müssen, wenn sie „in“ sein wollen. Doch es müsse eben passen und typgerecht sein, verlangt der Schönheitsguru: „Heute ist alles Trend, was gut aussieht, egal ob grün oder blau, ob extrem dicker Eyeliner wie bei Amy Winehouse oder nude look, bei dem man gar keine Schminke erkennt. Jeder muss einfach das Richtige für sich finden“. Für Berliner Sternchen wie Rosenstolzsängerin Anna R. oder Lucy van Ork kreierte Durrer deshalb individuelle Lippenstiftfarben. Gayle Tufts hat ein vorlautes knallrot bekommen, Dragqueen Biggy von Blonds Lippenstift ist karamellig. „Diese Farbe passt gut zu ganz dunkel geschminkten Augen“, sagt Durrer, „übrigens wird der von unseren Kundinnen stark nachgefragt.“ Wenn man für die Hauptstadt einen aktuellen Trend bei der dekorativen Kosmetik beschreiben möchte, dann ist es demnach der individuell auf den Typ und die Garderobe abgestimmte Look. Dazu passt, dass die Auswahl an Farben und Schattierungen unaufhörlich wächst. Allein Durrers Eigenmarke bietet Liedschatten in 170 Tönen an und 25 verschiedene Grundierungen von Eskimoweiß bis Keniaschwarz. Damit finden auch dunkel pigmentierte Kunden den richtigen Ton. Die waren bisher vor allem auf die Produkte der Firma MAC Cosmetics angewiesen, weil sie stets auch dunkle Nuancen ihrer Farben vorrätig hat. Jeden Monat bringt das exklusive Label, das seine ausgefallene, zuweilen exzentrische Kosmetik am Hackeschen Markt und im KaDeWe, verkauft, zwei bis vier neue Kollektionen heraus. Neben schrillen Farben und ausgefallenen Stilen setzt MAC auf das soziale und ökologische Bewusstsein seiner Kunden. So spendet das Unternehmen einen Teil seiner Einnahmen an die MAC AIDS Stiftung, die sich für HIV- und AIDS-Kranke einsetzt. Vom Umweltschutzgedanken profitieren auch die Kundinnen: Für sechs leere MAC-Originalverpackungen erhalten sie gratis einen Lippenstift nach Wahl. Wem das zu wenig Öko ist, der findet reine Naturkosmetik bei in den Geschäften von Grüne Erde in der Oranienburger Straße und im ALEXA. Etwa den hautverträglichen Make-up-Puder aus natürlich vorkommenden, mineralischen Pigmenten und Farbstoffen. Der Puder ist in verschiedenen Schattierungen von Aprikose bis Mango erhältlich, verstopft die Poren nicht und bietet dennoch eine hohe Abdeckfähigkeit ohne Maskeneffekt. Mit rund 25,- Euro für 5 Gramm ist der Bio-Puder nicht eben billig. Dass das teuerste Produkt nicht immer das beste sein muss beweist ein ums andere Mal die Stiftung Warentest. Das letzte Mal testete sie im Dezember Make-ups und kürte einen klaren Sieger nach Punkten: Maybelline Jade Superstay Seidig erhielt das Testurteil gut für, weil es sich gleichmäßig verteilen ließ und besonders beständig war. 30 Milliliter des Zwei-Komponenten-Make-ups sind ist in vielen Drogeriemärkten für 14, – Euro erhältlich. Doch es geht noch preiswerter: Das ebenfalls mit gut bewertete „Rimmel Lasting Finish“ kostet nur 8,- Euro in der 30-Milliliter-Tube. Etwas schlechter schnitt es nur ab, weil die Deklaration der Inhaltsstoffe lediglich als befriedigend eingestuft wurde. Kosmetikprodukte im Drogeriediscounter um die Ecke zu kaufen, davon rät Beni Durrer allerdings energisch ab. Dort fehle einfach die fachkundige Beratung. Wer es sich nicht leisten kann oder will, für 16,- Euro das Tagesmake-up vom Fachmann auftragen zu lassen, für den hat der Visagist dennoch einen hilfsreichen Tipp parat: „Das Make-up soll die Schönheit des Menschen unterstreichen und nicht verstecken. Weniger ist da oft mehr.“ Oliver Numrich

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