Speisen beim Porno-Italiener: La Cicciolina in SO36


Das „La Cicciolina“ befindet sich an der Rückseite von dem, was mal der Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park werden sollte und sieht mit seiner großen Fensterfront aus wie ein Teil des benachbarten Spreewaldbades. Aber wer ist die Zielgruppe? Ist das neue Lokal ein Kiez- oder ein Kultitaliener? Gegen den Kiezitaliener spricht neben der starken Konkurrenz in engster Nachbarschaft das Fehlen jeglichen Deko-Brimboriums: keine Trockenpasta-Arrangements, keine Olivenöl-Zapfanlage und keine wellenförmig verspachtelten Wände. Gegen die Positionierung als Kultitaliener spricht die gediegene, ja, fade Einrichtung und, dass die Namenspatronin, die italienische Ex-Porno-Diva, Ex-Jeff-Koons-Ehefrau und Ex-Grünenpolitikerin Anna Ilona Staller alias „La Cicciolina“, nirgendwo auftaucht: Weder als Statue, noch als Pin-up, geschweige denn in Form schlüpfriger Anspielungen in der Karte. Da hat man diesen Namen gewählt und macht nichts draus! Das einzig kultverdächtige ist zurzeit noch der lokaleigene Hündin Sohi, der zwischen den Tischen umherstreunt und mit seiner feuchten Nase sanft an die Hände der Gäste stößt, um etwas vom Tisch zu erbetteln. Noch etwas ist – zum Glück – anders als bei Il Casolare und Co: Die Bedienung! Unprätentiös, entspannt und bei Nachfragen nicht sofort genervt! Keine Frage, hier herrscht gute Stimmung im Team, die sofort auf den Gast abfärbt. Die Karte führt neben Fleischgerichten auch alle drei Italo-Ps für Pizza, Pasta, Pesce, dazu gibt es eine Wochenkarte mit wechselnden Gerichten, in unserem Fall Barbarie-Entenbrust an Soße aus Pernot und Minze für 14,50€, in Rotwein geschmorte Ochsenbacken mit gegrillter Polenta für 15,50€ oder zwei Doradenfilets in Kartoffel-Thymiankruste in Weißweinsauce für 14€ – alles zuzüglich Beilagen für jeweils 2,50€. Die Fischfilets waren gut, nur von der Thymiankruste hat man wenig geschmeckt und die Beilage Blattspinat war mit so viel Öl und Butter bereitet, dass dieses Gericht insgesamt mehr Fett in sich hatte, als eine gefüllte Weihnachtsgans. Die Meerestier-Pasta schmeckte sehr gut und war mit XX Euro auch preislich in Ordnung. Der Wein kommt in vollen Flaschen auf die Tische, so kann der Gast sich selbst nachschenken und am Ende wird die entnommene Menge per Augenschein berechnet. Allerdings mit für den Kiez beachtlichen Preisen: ab 2,50€ pro 0,1L.

Dieser Artikel erschient im Dezember 2011 im Berliner Stadtmagazin tip.

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