Unverbindliche Preisempfehlung UVP: Fast nur noch auf teuren Pralinen

UVP Unverbindliche Preisempfehlung bei Süßwaren Lindt
UVP Unverbindliche Preisempfehlung bei Süßwaren Lindt

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Die überregionale Verbreitung von Markenprodukten in Folge der automatisierten Massenproduktion Ende des 19. Jahrhunderts hatte viele Vorteile. Zum Beispiel das Versprechen auf eine gleichbleibende Qualität, eine schützende, hygienische Verpackung, längere Haltbarkeit und Transportfähigkeit, Wiedererkennbarkeit und auf eine festgelegte bestimmten Menge zu einem fixen Preis. Eine der ersten massenhaft verbreiteten Süßwaren war der Leibnitz-Butterkeks von Bahlsen, der Zwieback von Brandt und die KaramellkaubonbonsRiesen“ von Storck.

Anders als bei den selbst in der eigenen Backstube hergestellten Waren musste etwa ein Konditor für die in seinem Geschäft verkaufte Markenware keine Kostenkalkulation bewerkstelligen. Für den Wiederverkäufer war es praktisch, dass der Preis vom Hersteller für alle Regionen und alle Verkaufsarten fest vorgegeben war und direkt auf dem Produkt stand. Beim Riesen-Bonbon war der Preis auch Teil des Marketingkonzepts, denn das Karamellbonbon kostete genau einen Pfennig.

Die festen Preise waren damals noch etwas neues und auch für die Kunden eine Erleichterung, denn sie mussten nicht mehr feilschen und konnten das Produkt bequem überall zum gleichen Preis einkaufen. Eines der ersten Geschäfte, das nur mit Festpreisen arbeitete war das Kaufhaus des Berliner Händlers Hermann Tietz, kurz Hertie.

Mitte der 1970er Jahre wurde die Festpreisbindung für Markenartikel in Deutschland jedoch aufgegeben. Übrig blieb die „Unverbindliche Preisempfehlung„, kurz UVP,  auch unverbindlicher oder empfohlener Verkaufspreis, mit denen Hersteller werben und die sie auf Verpackungen drucken können. Einzelhändler können die Verbraucherpreisempfehlung jederzeit unterbieten, zum Beispiel im Rahmen von Sonderangeboten. Ehrlich gesagt ist mein Eindruck, dass der UVP nur noch existiert, um ein Sonderangebot als solches zu kennzeichnen. Damit nicht mit „Mondpreisen“ und entsprechend astronomischen Rabatten Schindluder getrieben wird, werden Preisempfehlungen vom Bundeskartellamt beaufsichtigt.

Wo gibt es heute noch die unverbindliche Preisempfehlung?

Gut 50 Jahre nach Einführung des UVP findet er sich heute  nur noch bei wenigen Produkten, hauptsächlich im Schokoladen- und Pralinenbereich. So klebt etwa Lindt auf seine Waren ein ablösbares Preisetikett. Böse Zungen behaupten, gerade bei Pralinen-Geschenken verbliebe der Preis sehr häufig versehentlich am Produkt, um den Beschenkten die Investition zu verdeutlichen…

Wobei viele Schokoladen wie etwa „Hello“ gleichzeitig mit einem 20%-Nachlass-Aufkleber versehen sind. Offenbar eine Marketingmasche, um über das Signal „Reduzierter Preis“ den Abverkauf zu fördern. Nachteil dieses Instruments: Es muss für jede Währung und jedes Land das passende Preisetikett her, wodurch man bei der Warendisposition weniger flexibel ist. So hat Österreich zum Beispiel auch die Währung Euro, aber die Verbraucherpreise sind hier in der Regel 10 bis 20% höher als in Deutschland. Lindt muss für den Verkauf seiner Produkte in der Schweiz den UVP selbstverständlich in Franken ausweisen.

Auch der Hersteller Reber klebt ein ablösbares Etikett auf seine Packungen, etwa die traumhaft schöne Verpackung seiner Trüffel-Ostereier in der 2020-Edition. Leider gab es hier auch keinerlei Ermäßigung, so dass ich tatsächlich den vollen Preis für diese Spezialität zahlen musste 5,25€ für 100 Gramm – und ich habe das Etikett selbstverständlich vorher abgemacht!

Übrigens habe ich auch schon über die hohe Flopquote von Süßwaren-Innovationen geschrieben, die Verkaufsförderung am POS durch Promotions und dergleichen sowie unter der Überschrift „Charity Shopping“ über in den Verkaufspreis integrierte Spenden.

     

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