Portait: Strippenzieherin im Hintergrund


Ein schelmischer Journalist hat einmal gesagt, ein Pressesprecher das sei jemand, der laut gackert, wenn andere ein Ei legen. Carolin Mauz, 35, ist Pressesprecherin bei den Johannitern, genauer gesagt Bereichsleiterin Kommunikation im Landesverband Bayern. Aber da wo sie arbeitet werden keine Eier gelegt und infolgedessen gackert sie auch nicht. „Ich sehe mich hauptsächlich als Dienstleisterin für die Regional- und Kreisverbände in Bayern“, beschreibt sie ganz bescheiden ihre Aufgaben, „indem ich Ihnen Pressemitteilungen zuliefere, die die Verbände vor Ort an ihre Zeitungen weiterleiten.“ Sie ist viel unterwegs, um die Pressereferenten der Kreisverbände in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit zu beraten, sie gibt Werbemittel frei und vertritt Bayern in verschiedenen Arbeitsgruppen auf Bundesebene, etwa in den AGs Medien, Werbung/Marketing, Fundraising und Internet. Außerdem ist Carolin zuständig für den Kontakt zu allen landesweiten Medien, verschickt zum Beispiel Pressemitteilungen der Landesvorstände zu aktuellen Themen und kümmert sich um Aktionen wie den Weihnachtstrucker. Neulich rief das Nachrichtenmagazin Focus an und fragte, ob die bayerischen Johanniter nicht für Erste-Hilfe-Aufklärungsfilme zur Verfügung stehen könnten. Dann erkundigt sich Carolin bei den Verantwortlichen im Landesverband und sorgt im Hintergrund dafür, dass alles organisiert wird. Im Fall der 21 Minifilme, die auf der Webseite des Magazins gezeigt werden sollen, muss sie auch den Pressesprecher der Bundesgeschäftsstelle, Martin J. Wittschorek, und die Fachabteilung auf der Bundesebene, in diesem Fall Ralf Sick von der Johanniter-Akademie, einbinden, denn der Focus reicht über den bayerischen Tellerrand hinaus. „Natürlich bekommen wir auch gezielte Presseanfragen zu bestimmten Themen“, erzählt Carolin. Dann ruft etwa ein Redakteur von der Süddeutschen Zeitung bei ihr an und fragt, wie die Johanniter zum Ausbau der Kinderbetreuung stehen oder zum Situation von Pflegebedürftigen. Meist sind das aktuelle politische Fragen, häufig heikle oder zumindest nicht ganz leicht zu beantworten. Carolin darf dann nicht einfach ihre eigene Meinung äußern, sondern muss Rücksprache mit den Fachleuten ihrer eigenen Organisation und ihren Vorständen halten. „Unsere Experten haben die Fakten, aus denen formuliere ich einen Textvorschlag, stimme den mit allen Beteiligten ab und leite die Antwort dann an das Medium weiter.“ Es ist schon arg viel Arbeit, die eine Pressesprecherin für einen so großen und aktiven Verband zu leisten hat. Zu schaffen nur, wenn man wie Carolin gut mit Sprache umgehen kann, eine schnelle Auffassungsgabe hat und dazu ein gewisses diplomatisches Geschick. Außerdem schreibt die studierte Germanistin Reden, die andere dann halten oder vermittelt Johanniter, die dann im Radio oder im Fernsehen ein Interview geben. „Ich in der Meinung, dass der vor die Kamera sollte, der auch wirklich was zu sagen hat.“ Wenn es also um ein Statement zum Rettungsdienst geht, sollte nicht sie das Interview geben, sondern der Rettungsdienstler. Schließlich sei er kompetent und wirke auch viel authentischer. Zum Glück sind ihre Fachkollegen in Bayern nicht kamerascheu und so gab es bisher noch kein Problem, für jede Anfrage den richtigen Fachmann aus den eigenen Reihen zu besorgen, der Rede und Antwort steht. „Nicht dass das falsch ankommt, meine Kollegen sind nicht eitel, aber sie haben eine Meinung und die vertreten sie auch vor der Öffentlichkeit“, sagt Carolin und dabei ist kaum zu überhören, wie stark sie sich mit Ihrem Verband identifiziert. „Meine Arbeit macht mir irre viel Spaß! Besonders schön finde ich, dass ich mit vielen Menschen zu tun habe.“ Zudem sie es „wahnsinnig spannend“, die vielen Arbeitsbereiche der Johanniter kennen zu lernen, von der Jugend bis zu den sozialen Diensten. „Man riecht überall rein, holt sich überall Infos, man wird zu einem Profi in bestimmten Ausschnitten.“ Wer Öffentlichkeitsarbeit zu seinem Beruf machen möchte, dem rät Carolin unbedingt zu Studium und anschließender journalistischer Ausbildung, einem so genannten Volontariat. „Ohne Studium kommt man heute nicht mehr in so eine Position. Denn dabei lernt man die notwendigen Arbeitsweisen, vor allem das Recherchieren und Schreiben.“ Das Gackern muss man also wirklich nicht beherrschen. Oliver Numrich

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