Weihnachtsmärkte mit Pfiff


Weihnachtsgesteck aus Polen

Der Berliner (und die Berlinerin erst recht) verspeisen zu Weihnachten mit großer Freude Teile der Gans mit Klößen und (jetzt halten Sie sich fest) Grünkohl! Ist das nicht schockierend?! Für Typen mit ostfriesischem Migrationshintergrund wie mich wird auch ein Schlag Rotkohl aufgetischt, aber mehr so aus lästiger Gefälligkeit wie man für Vegetarierer ein Sojawürstchen mitbrät. Grünkohl zur Gänsekeule ist in Berlin so etwas wie Normalität; Rotkohl oder Blaukraut (oder Brautkleid) die exotische Randerscheinung. Diese Beobachtung vorweg geschickt möchte ich zum Hauptthema des heutigen Blogs kommen: Dem Weihnachtsmarkt. Allerdings nicht, ohne zuvor noch kurz auf Motivationstraining für Jugendliche zu sprechen zu kommen. Diese beiden Stichworte sind es nämlich, die laut kostenloser Blogstatistik von WordPress die meisten Besucher auf meine Seite lockten, also ist es nur sinnvoll, sie auch hier noch einmal zu nennen, um den Surferansturm am oberen Limit zu halten.

Weihnachtsmärkte also. Gestern drängelte ich mich mit zwei Tüten leerer Pfandflaschen über den dieses Jahr erstmals eingerichteten Weihnachtsmarkt auf dem Marheineke-Platz in Kreuzberg. Nach kurzer Zeit verlangsamten sich meine Schritte, denn es lohnt aus mehreren Gründen, hier zu verweilen: Die Anlage des Marktes ist wirklich schön. Zur Deko gehören nicht nur hübsche Buden, bemalte Pappwände und Strohballen, sondern auch Feuer speiende Metallkunstwerke der bekannten Berliner Künstlergruppe Dead Chickens – jedenfalls sah es danach aus. Auf der ganz kleinen Bühne stand ein Chor, der zu drei Vierteln aus Asiaten bestand. Als der Chorleiter den folgenden Song ankündigte, machte sich hämisches Grinsen auf vielen Gesichtern der Umstehenden breit. Es war „Freude, große Freude“. Ein Auszug: „Zorn und Streit muss nicht mehr sein, Jesus macht uns frei und rein. Er hat Frieden uns gebracht, Friede leuchtet aus der Nacht.“ – Ein Weihnachtslied, in dem noch mehr rollende Rs zu singen sind, ist kaum aufzutreiben. Doch die Volfleude wurde enttäuscht, der Chor sang astreine Rs und auch sonst wirklich entzückend. Wieder einmal zerstoben rassistische Klischees in der kalten Berliner Winterluft. Ich kaufte noch eine schokolierte Birne für 2 Euro, die wirklich hervorragend schmeckte. Entweder war sie knackfrisch oder Birnen und Obst allgemein werden durch das Überziehen mit Schokolade haltbar gemacht. Vielleicht wäre das eine Alternative zum Pökeln gewesen, wenn unsere Vorfahren da mal früher drauf gekommen wären. Jedenfalls war die Stimmung hervorragend entspannt und richtiggehend vorweihnachtlich, was nicht für jeden Weihnachtsmarkt gilt.

Wer keinen Bock auf Weihnachten, aber auf Budenzauber hat, dem drängt sich das Chanukka-Fest im oder am bzw. hinter dem Jüdischen Museum auf. Das Programm entspricht so ziemlich exakt dem, was auf allen anderen Plätzen zu dieser Jahreszeit geboten wird, nur dass sich alle Besucher vorher durch eine Sicherheitsschleuse begeben müssen. Das schreckt tatsächlich noch ein paar Rowdys ab und so ist die Atmosphäre hinter der Schleuse im Garten des Museums sehr friedlich bis handzahm, was ähnlich klingt wie lahm, aber das wäre schon zu negativ. Im Grunde hängt es ja doch von der Begleitung ab, mit der man so eine Festivität besucht, ob es lustig wird. Vielleicht hat noch der Preis und die Zusammensetzung des Glühweins einen gewissen Einfluss auf die Heiterkeit, aber beides ist auf dem Chanukka-Markt in Ordnung soweit ich mich erinnere. In diesem Sinne: Ein Prosit auf die Tempelwiedereinweihung respektive die Geburt des kleinen Jesuleinchens!

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