Johanniter gehen auf Tauchstation – JUH jetzt mit Froschmännern


Die erste Tauchergruppe der Johanniter-Unfall-Hilfe trainiert im holsteinischen Eutin. Zum neuen Einsatzgebiet kam man eher zufällig: Das Technische Hilfswerk löste seine Gruppe auf und unter den Eutiner JUHlern fanden sich Hobbyschnorchler und sogar ein Tauchmediziner. Also übernahm Regionalvorstand Siegfried Noel vom THW die Ausrüstung samt Tauchmobil und jetzt warten Feuerwehr und Polizei schon sehnlichst auf die Unterwasserunterstützung der christlichen Hilfsorganisation.

In Eutin in Schleswig-Holstein ist die erste und bisher einzige Tauchergruppe der Johanniter-Unfall-Hilfe stationiert. Zu ihrem Einsatzgebiet gehören Boots- und Badeunfälle in stehend und fließenden Gewässern, Überschwemmungen, Deichsicherung, Verkehrsunfälle im und am Wasser. Angst dürfe man nicht haben, Respekt schon, sagt Kay Kattoll, 33, der Anführer der neuen JUH-Taucherstaffel. Immerhin geht es bis zu 40 Meter nach unten, mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken und häufig mit eingetrübter Sicht. Der Rettungsassistent und Hobbytaucher wurde vor sieben Jahren von Freunden mit dem Tauchvirus infiziert und genießt die „Handylosigkeit“ unter Wasser, die Ruhe im Einklang mit den eigen Plätscher- und Atemgeräuschen. Einem Hai ist zwar noch nicht begegnet, aber immerhin einem Wels, der ihn um eine Kopflänge überragte. Die Aufgaben, für die er und dreizehn weitere Einsatztaucher zwischen 18 und 33 Jahren, darunter eine Frau, zur Zeit trainieren, sind vielfältig, haben aber wenig mit dem klassischen Aufgaben im Rettungsdienst zu tun. Es geht um die Suche nach Vermisstem, um das Bergen von ins Wasser gefallenen Wertsachen wie Schlüsselbunden oder Telefonen oder verunglückten Fahrzeugen. Auch um das Bergen von Ertrunkenen. Während der Elbe-Flut hat Kattoll in Sachsen Deiche unterhalb der Wasserlinie mit Folien abgedichtet: „Durch die Plane haben sich neben mir riesige Ratten durchgefressen“, erinnert er sich. Einen Teil der benötigten Ausrüstung samt Spezialfahrzeug hat die JUH Ende März für 6.000 Euro dem THW abgekauft, deren Tauchstaffel aufgelöst wurde. Weitere 3.000 Euro mussten in Ergänzungsbeschaffungen wie zusätzliche Taucheranzüge, Vollgesichtsmasken oder Schwimmwesten für die Helfer investiert werden. Dazu hat man eine gebrauchte Bootsschale für den Eigenausbau hat eingekauft. Sie lagert, noch motorlos, im Keller der Eutiner Dienststelle. Insgesamt rechnet Regionalvorstand Siegfried Noel mit 20.000 Euro Investitionskosten und laufenden Kosten von rund 2.000 Euro pro Jahr. „Monetär bringt uns die Taucherstaffel erst mal nichts, aber sie erschließt uns ein neues Helferpotential“, sagt Noel, „und wir binden damit Ehrenamtliche an uns, die sonst nicht gekommen wären.“ Und das reichlich, denn pro Taucheinsatz werden acht Personen benötigt: Zwei ausgebildete Einsatztaucher, zwei Rettungssanitäter, die mit einem RTW am Ufer bereit stehen, ein Reservetaucher, der ins Wasser geht, wenn einer der Einsatztaucher Probleme hat, und ein bis drei Leinen-Leute, die jeweils einen Taucher mittels Zugsignalen durch den See lenken und im Notfall herausziehen. Oliver Numrich

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