Experteninterview: Mit süßem Franchise-Konzept selbständig machen

Antje Katrin Piel Franchiseverbandl
Antje Katrin Piel leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Franchiseverbands.

Wer Süßigkeiten liebt und damit seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, spielt vielleicht mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen. Was liegt da näher, als sich ein passendes Franchise-Angebot zu suchen und Lizenznehmer zu werden?! Franchise bedeutet, jemand hat ein funktionierendes Geschäftsmodell und vermietet das an Dritte, die dann unter dem Markenname des Franchiseunternehmens selbständig agieren und zum Beispiel eine Filiale betreiben. Bekannte Franchise-Geber sind zum Beispiel Subways, Coffee-Bike oder Bärenland. Was es für potentielle Franchise-Nehmer zu bedenken gilt, habe ich die Pressesprecherin des Deutschen Franchise-Verbands, Antje Katrin Piel gefragt.

Naschkater.com: Was würden Sie mir, der Süßigkeiten liebt, raten, wenn ich mich als Franchisenehmer selbständig machen möchte?
Antje Katrin Piel: Einfach machen…! Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht, doch wenn Süßes Ihre Leidenschaft ist, der Wunsch nach Selbstständigkeit besteht und wenn dann noch die übrigen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit gegeben sind, dann steht der Eröffnung eines süßen Lädchens nicht mehr im Wege. Letzteres ist übrigens ebenso wichtig wie bei einer unabhängigen Gründung auch – das Fundament der Selbstständigkeit sollte in jedem Fall stabil sein. Wie hoch dabei beispielsweise das Eigenkapital sein sollte und welche Vorbildung man besser mitbringt, das ist natürlich systemabhängig.

naschkater.com: Welche Lizenzgeber aus dem Bereich Süßwaren hat Ihr Verband denn zu bieten?
Antje Katrin Piel: Da gibt es natürlich eine ganze Menge und die Unterschiede sind groß – es gibt lange am Markt aktive Anbieter aber auch ganz junge Konzepte. Dabei spielen neben den klassischen Süßwaren wie bei Arko vor allem Eisläden eine große Rolle: Amorino, Häagen Dazs, Janny’s, Mia Gelateria, MM Ice Rolls oder auch Schlecks. Und natürlich Spezialitätenläden, in denen es neben Weinen und Likören auch Süßes gibt: Violas, Barrique, Genießerei.  Gastrokonzepte wie Wonder Waffel und Donut Bandit’s sind ebenfalls im Deutschen Franchiseverband organisiert. Unsere Vollmitglieder haben sich übrigens zum Systemcheck des Franchiseverbandes verpflichtet inklusive Rezertifizierung alle drei Jahre. Nur geprüfte Mitglieder haben die Erlaubnis, unser Siegel zu tragen.

naschkater.com: Wonach suchen Franchisenehmer normalerweise hauptsächlich ihren Franchisegeber aus? Geht es dabei auch oder hauptsächlich um die persönlichen Vorlieben? 
Antje Katrin Piel: Das ist meist ganz unterschiedlich. Es gibt Branchen, in denen eine fachliche Qualifizierung dringend erforderlich ist – das ist beispielsweise im Handwerk so. Im Handel und in der Gastronomie ist das oft anders und eine fachliche Vorqualifikation nicht zwingend erforderlich. Allerdings – und das gilt für alle Systeme gleichermaßen: In jedem Fall sollte der potentielle Franchisenehmer kaufmännische Vorkenntnisse haben – wie bei einer freien Selbstständigkeit auch sollte das eine der Grundvoraussetzungen sein. Und natürlich das sogenannte Unternehmer-Gen und die Bereitschaft, hart für den Erfolg zu arbeiten. Nur wer bereit ist, gerade zu Beginn der Selbstständigkeit, auf den kalkulierbaren „nine-to-five-Job“ zu verzichten, wird sich auch nachhaltig am Markt etablieren können.

naschkater.com: Was wären Eigenschaften, bei denen Sie mir vom Franchising abraten würden? 
Antje Katrin Piel: Nun, Chefsein bedeutet sicherlich nicht, andere für sich arbeiten zu lassen und selbst die Füsse hochlegen zu können. Wer das erwartet, der ist im Franchising ebenso wenig richtig wie in einer unabhängigen Selbstständigkeit auch. Und auch der finanzielle Background sollte passen. Aber Franchising hat einen klaren Vorteil: man muss kein Alleskönner sein. Das Franchisesystem übernimmt beispielsweise das Controlling und meist auch die Warenbeschaffung. Der Franchisepartner kann sich ganz auf sein Kerngeschäft konzentrieren, also den Verkauf und seine Kunden. Die Selbstständigkeit im Franchising ist also ein kooperierendes Miteinander.

naschkater.com: Gibt es Trends bei den Franchisemodellen, was geht zurzeit besser oder schlechter, was ist im Kommen?
Antje Katrin Piel: Franchise ist ein Geschäftsmodell mit Zukunft – das gilt aktuell mehr denn je, denn auch neue Branchen nutzen diesen Weg der Expansion und Multiplikation der eigenen Geschäftsidee. Neben den Klassikern, also Dienstleistung, Handel, Gastronomie und Handwerk, spielen vermehrt auch Startups eine Rolle. Sie nutzen den Weg des Franchising, um ihr innovatives Geschäft mit qualifizierten Partnern rasch zu vervielfältigen. Um die Verbreitung und die Einhaltung von Qualitätsstandards geht es auch beim Social Franchising: Soziale Unternehmen breiten ihr Konzept aus und stellen die konkrete Umsetzung durch den Franchisepartner vor Ort sicher.

naschkater.com: Lehnen manchmal auch Franchisegeber eine Anfrage ab?
Antje Katrin Piel: Natürlich, und das müssen sie auch. Jedes Franchisesystem sollte ein klar definiertes Franchisenehmer-Profil haben und sich auch strikt daran halten. Nicht jeder potentielle Partner ist für jedes System geeignet. Es ist also in jedem Fall anzuraten, genau zu schauen, ob eine Partnerschaft erfolgversprechend ist. Das gilt selbstverständlich für beide Seiten.

naschkater.com: Gibt es einen Franchisegeber, vor denen Ihr Verband warnt, weil er seine Klienten abzocken?
Antje Katrin Piel: Wir empfehlen Franchise-Interessenten in erster Linie, sich genau über ein System zu informieren. Das Netz hält hier eine Vielzahl an Portalen und Plattformen bereit. Wir empfehlen allerdings immer noch einmal den Check über unseren Systemfinder, da sind alle Mitglieder gelistet. Darüber hinaus bieten wir auf unserer Website auch Checklisten und ergänzende Infos an. Ein Indikator für ein Qualitätssystem ist und bleibt natürlich das Siegel des Franchiseverbandes. Der damit verbundene Systemcheck prüft beispielsweise die Franchiseverträge auf Stolperfallen und auch die unabhängige Franchisenehmer-Befragung erlaubt einen intensiven Blick in das System. Franchise-Interessenten sollten also in jedem Fall genau hinschauen, ob Konzept und System den hiesigen Standards und nicht zuletzt der eigenen Vorstellung der Selbstständigkeit entspricht.

naschkater.com: Frau Piel, vielen Dank für die Infos.

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3 Gedanken zu „Experteninterview: Mit süßem Franchise-Konzept selbständig machen

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