Das Food Start-up Berwork liefert Fitness-Würste aus Northeim

berwork-Gründer Navid Niyameimandi und Nevena Lazić
berwork-Gründer Navid Niyameimandi und Nevena Lazić präsentieren ihr Produkt in einem attraktiven Holzdisplay.

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Ein Sportstudio in der niedersächsischen Kleinstadt Northeim: Hier haben sich Nevena Lazić und Navid Niyameimandi kennengelernt und hier wurde auch die Idee zu ihrem gemeinsames Start-up geboren: Ein proteinreicher, würziger Snack für Zwischendurch. „Wir hatten beide die süßen Riegel und Proteinshakes satt“, erinnert sich die studierte Betriebswirtin Nevena, die ursprünglich aus Serbien stammt. „Wir wollten beide was herzhaftes essen, aber es sollte eben nicht so fettig sein wie herkömmliche Mini-Salamis, einen hohen Eiweißgehalt haben und ohne Zusatzstoffe auskommen.“

Navid, dessen Eltern aus dem Iran stammen, war vor der Gründung als Personalleiter tätig und über Umwege mit einem örtlichen Metzger bekannt. Gemeinsam probierten sie viele verschiedene Rezepte und Verfahren aus, bis der perfekte Fitness-Snack dabei herauskam: Er besteht nicht aus getrocknetem Fleisch wie Beef Jerky, sondern ähnelt eher einer Landjäger-Wurst. 

Berwork - Product Pics_23
BerworkSnackwürste

Startkapital ging für Produktentwicklung und Marketing drauf

Jetzt musste noch die richtige Vermarktungsstrategie gefunden werden: Wie soll das Produkt heißen, welche Zielgruppe soll es ansprechen, wie wird es verpackt und so weiter. Schnell kamen sie auf das Bild eines Bären, der Workout macht, denn das passt am besten zur Zielgruppe von Sportlern, die sich proteinreich stärken wollen. „Bärkwork“ war nicht international genug und so wurde ihr Kind „Berwork“ getauft. Es hat also nichts mit Berlin zu tun, wie immer wieder viele annehmen. Und auch Bärenfleisch ist nicht im Snack enthalten, er besteht zu 100% aus Rindfleisch. 

Für die Gestaltung von Logo, Verpackung und Webseite haben sie einer Werbeagentur einen fünfstelligen Betrag bezahlt. Logistik und Vertrieb machen sie selbst – am Anfang mussten die Familienmitglieder helfen, inzwischen haben sie vier Mitarbeiter. 

„Unser Start-up-Kredit ging praktisch komplett für die Produktentwicklung und die Werbeagentur drauf“, erinnert sich Nevena. Zwei Jahre lang haben sie an der Wurst getüftelt und immer wieder Testläufe durchgeführt, die sie dem Metzger natürlich bezahlen mussten. Der Vorteil, wenn man keine eigene Produktion aufbaut, sondern einen Lohnfertiger beauftragt: Alle Zertifizierungen, die für die Inverkehrbringung von Lebensmitteln benötigt werden, liegen schon vor.

Eine Herausforderung war die Anforderungen des Lebensmittelhandels an die Haltbarkeit der Wurst, denn die musste vorproduziert, zwischengelagert und geliefert werden, aber dann noch mehrere Monate haltbar sein. Und eine böse Überraschung gab es beim Cashflow: Die Würste müssen sie vorproduzieren, aber die Abrechnung erfolgt manchmal erst quartalsweise und dann mit Zahlungszielen von bis zu 90 Tagen bei den großen Ketten. „Aber wir sind gut im improvisieren“, beruhigt Nevena und inzwischen ist ihr Umsatz so groß geworden, dass die Zahlungseingänge problemlos die Vorproduktion abdecken.

Gründung war richtige Entscheidung

Die Wurstproduktion haben sie inzwischen zu einem größeren Betrieb verlagert, Verpackungslogistik und Regalpflege sollen demnächst ausgelagert werden. Aber Gestaltungsaufgaben erledigen sie inzwischen wieder selbst. „Man muss effizient denken: Alles, was wir jetzt selbst machen können, das machen wir auch selbst, wenn es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Nevena. „Natürlich auch um Geld zu sparen, aber auch weil es dann genau so ist, wie ich es haben möchte.“ Die wichtigste und zeitraubendste Tätigkeit kann aber kein externer Dienstleister übernehmen: Den Vertrieb. Beide sind ständig in ganz Deutschland unterwegs und besuchen Fach- und Händlermessen, Fitnessstudio und Einzelhandelsgeschäfte, um ihr Produkt vorzustellen. 

Die nächsten Schritte: Im Sommer steht eine Social Media-Kampagne an. Der deutsche Markt soll tiefer durchdrungen und zunächst die deutschsprachigen Nachbarländer erobert werden. Für 2020/21 ist der Break Even Point geplant, also der Zeitpunkt, an dem die Einnahmen tatsächlich die Kosten überschreiten. 

Ihren Entschluss, den sicheren Job gegen ein Leben als Gründer einzutauschen, haben beide bislang nicht bereut. „Aber erst jetzt, nach ein paar Jahren, wird mir bewusst, dass wir es wirklich gewagt haben“, sagt Nevena, „Am Anfang hat man es einfach gemacht und nicht darüber nachgedacht. Und jetzt, wo man drin steckt und hart arbeitet, merkt man doch, dass sich das Leben verändert hat und es macht Spaß. Und genau so soll es sein!“

→ Hier gibt es noch ein Kurzinterview mit der Gründerin.

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