Jörg Thadeusz: Was Moderatoren mit Sanitätern gemein haben


Jugenfoto des interviewpartners
Jugendfoto des Interviewpartners

Jörg Thadeusz ist TV- und Radio-Moderator und Autor der Bücher „Aufforderung zum Tanz: Eine Zweiergeschichte“ (mit Christine Westermann), „Alles schön“ und „Rette mich ein bisschen“. Im Interview ging es um sein erstes Buch, den Roman „Rette mich ein bisschen“.

Was haben Moderatoren und Sanitätern gemein?
Beide sollten die Ruhe nicht verlieren, nicht nervös werden. Letztendlich haben es Sanitäter schwerer, denn sie müssen sich dem richtigen Leben stellen, Moderatoren nur der eigenen Eitelkeit.

Warum spielt ihr erster Roman nicht im Medien-Milieu, in dem sie seit über zehn Jahre erfolgreich tätig sind?
Der Rettungsdienst war echtes Leben und deshalb ist es spanennder. Medien sind artifizieller, das ist Leben aus zweiter Hand. Die Medien sind vielleicht kreativer – es ist ja auch eine schöne Arbeit –, aber es findet alles in geschlossenen Räumen statt. Wenn man dagegen mit dem Krankenwagen unterwegs ist, ist man draußen, kommt an neue Orte, in fremde Wohnungen. Der Sanitäter ist echter, ungekünstelt, es sind viele verkappte Helden darunter.

Und die Medienleute?
Medienleute halte ich nicht für verkappte Helden. Im günstigen Fall für verantwortungslose und faule Leute.

Wie haben Moderatorenkollegen ihren Erfahrungsbericht aufgenommen?
Meine Kollegen fanden das günstigstensfalls lustig. Es gab da kaum Gemecker. Die versuchen immer gehobene Literatur dagegen zu halten und sagen, dass es das nicht war. Aber die meisten Reaktionen waren nett. Es gab einen in der Kulturredaktion, der hat gesagt: „Aha, einmal was erlebt und gleich ein Buch drüber geschrieben.“

Und die ehemaligen Kollegen auf der Wache?
Zur Wache habe ich leider keinen Kontakt mehr. Da habe ich auch Bammel vor, wie die das finden. Außer meinem besten Kollegen, wird sich auch keiner wiedererkennen, denn alle anderen Charaktere in meinem Roman sind Mixturen. Allerdings die Vorlage für meinen Held Gunnar habe ich neulich, nach 12 Jahren, bei einer Lesung in Düsseldorf wiedergetroffen. Er hat mit mir vor 12 Jahren Zivildienst gemacht und ist jetzt Chirurg.

Haben Sie Bammel, weil sie deren Arbeitsalltag reflektiert und ausgeplaudert haben wie ein Spion?
Ist ja entschärft, ungünstige Sachen für Kollegen kommen nicht or. Das was drin steht, habe ich keine Mühe, das zu vertreten. ich bin nervös, so wie wenn man ein Bild malt hat, das man dem Portraitierten das erste Mal zeigt.

Man hat das Gefühl, Sie haben im Roman vor allem gescheiterte Existenzen dargestellt…
Nein, nicht nur gescheiterte Existenzen. Meine Erfahrungen sind ja schon etwa älter, damals war Rettungsassistent noch kein Lehrberuf und kein festes Berufsbild. Der Rettungssanitäter hat die Möglichkeit, zu scheitern und sich zu verdüstern, denn der Job ist kein Zuckerschlecken. Gerade für Außenstehende sieht es immer so aus. „Aha, da kommen die Jungs mit den roten Jacken.“ Aber der Roman sollte die Wirklichkeit zeigen. Es ist kein „Hanni und Nanni“ für große Jungs.

Was war für sie das Schwierigste?
Am schwierigsten fand ich zwei Sachen: Einmal den Kummer der Angehörigen eines Opfers auszuhalten oder auszublenden, damit man nicht selbst allzu sehr den Blues kriegt. Zum anderen die Angst vor dem Tod, den ich nicht ausblenden konnte. Man ist da immer in einer Grauzone, dem Tod sehr nahe. Aber zugleich fand ich es auch nicht schwer. Ich fand es war ne geile Zeit.

Konnten Sie irgendwas, was Sie damals gelernt haben, noch mal anwenden, einen ohnmächtig gewordenen Gast ihrer Satiresendung „Extra Dry“ wiederbeleben oder so etwas?
Zum Glück musst ich das noch nicht. Ich habe aber schon mal bei einem Unfall geholfen. Ich will mich aber auch nicht aufspielen, meistens ist dann schnell jemand da, der besser qualifiziert ist als ich. Übrig geblieben ist meine Nervenstärke. Bei Lifesendungen fürchte ich mich nicht vor einem Patzer, weil die Leute das nach fünf Minuten vergessen haben. Ich musste schon in viel stressigeren Situationen mit ruhigen Händen eine Ampulle mit dem richtigen Medikament aufziehen und weiß: Wenn es sein muss, kann ich das. Solche Sachen sind fiel wichtiger, als ein Stotterer.

Die Johanniter werden im Buch nur zwei, drei mal erwähnt. Hat die Zugehörigkeit zu den Johannitern für Sie eine Rolle gespielt?
Ich fand das zwischendurch sehr sexy, dass wir auf einen Ritterorden zurückgehen. Klar, am Anfang war das DRK so etwas wie „Bayern München“ und die Johanniter nur der VFL Wolfsburg. Aber man entwickelt mit der Zeit einen gewissen Underdog-Stolz: Das ist mein Laden und ich habe mich damit identifiziert. Man gehört irgendwann dazu. Nach meinem Zivildienst bin ich vom Abschlussgeld nach Rhodos in den Urlaub gefahren. Als ich ein Kreuzritterdenkmal besichtigt habe, habe ich gedacht: „Alles klar, da komme ich im Prinzip auch her.“
Interview: Oliver Numrich

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