Food-Startup Raccoon produziert Bio-Schokolade mit Protein

Raccoon-Gründer Matthias
Raccoon-Gründer Matthias

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Jessica und Matthias haben 2017 die raccoon foods GmbH gegründet, um eine nachhaltigere und gesündere Schokolade herzustellen. Raccoon-Schokolade enthält fair gehandeltem Kakao, Kokosblütenzucker und 22% Proteine, ist vegan und bio. Ich habe Matthias auf der Snack19 in Wiesbaden kennengelernt und mich mit ihm über die Herausforderungen bei seiner Food-Gründung unterhalten.

naschkater.com: Wie seid ihr auf die Idee für das Produkt gekommen? 

Matthias: Wir hatten schon ein, zwei Jahre immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, uns selbstständig zu machen und unser eigenes Ding zu machen. Was uns fehlte, war immer eine Idee. Uns war klar, dass es die Bereiche Food und Sport verbinden sollte. Die Idee kam uns dann ziemlich spontan eines Abends auf der Couch, als wir uns mal wieder eine ungesunde Schokolade gegönnt haben. Wir waren uns schnell sicher, dass es doch viele Menschen geben muss, die Schokolade lieben, sich aber am liebsten gesund ernähren. Das war dann die Geburtsstunde unseres Startups!

raccoon-Gründer Jessica und Matthias
raccoon-Gründer Jessica und Matthias

naschkater.com: War das von Anfang an so wie es sich heute präsentiert oder ist es nach und nach zu dieser Form gewachsen?

Matthias: Bis zur heutigen Form gab es schon verschiedene Verpackungslayouts und Rezepturen. Auch in Zukunft wird sich das Produkt sicherlich ständig weiterentwickeln.

naschkater.com: Woher wußtet ihr, dass es für euer Produkt einen Markt geben würde? Habt ihr im Vorfeld Marktforschung betrieben?

Matthias: Wir haben tatsächlich keine richtige Marktforschung betrieben, sondern auf unser Bauchgefühl gehört. Wir haben unseren persönlichen Bedarf identifiziert und waren uns einfach sicher, dass es vielen potentiellen Kunden so geht wie uns.

naschkater.com: Von der ersten Idee für ein neues Produkt bis zum Prototyp ist es ein weiter und kostspieliger Weg. Habt ihr andere Jobs sofort an den Nagel gehängt oder erstmal nebenberuflich gegründet?

Matthias: Wir haben die ersten beiden Monate nach dem Beschluss zur Gründung noch parallel in unseren festen Jobs gearbeitet. Dann wollten wir den Druck aber erhöhen und schneller voran kommen. Trotz kleiner Panik haben wir dann schließlich sehr schnell unsere Jobs geschmissen, um Vollzeit an unserer Vision zu arbeiten.

naschkater.com: Was war die größte Hürde bei der Realisation eurer Idee – eher technische und Rezept-Fragen oder zum Beispiel das Geld aufzutreiben?

Matthias: Die größte Herausforderung zum Start war tatsächlich das Finden eines Produzenten, der unsere Idee umsetzen konnte. Letztlich waren und sind unsere Anforderungen an Schokolade etwas spezieller, so dass die meisten potentiellen Produzenten direkt raus waren. Das Startkapital hatten wir uns die Jahre zuvor angespart.

naschkater.com: Wie habt ihr den Lohnproduzenten am Ende gefunden, der einerseits eure Ansprüche erfüllt und andererseits kein zu hohes MOQ ansetzt und dabei trotzdem bezahlbar ist?

Matthias: Wir haben das ganze Internet nach Lohnproduzenten und auch allgemein nach Schokoladenmarken durchforstet und einfach alles abtelefoniert, was ansatzweise sinnvoll erschien. Ein paar Produzenten haben wir dann persönlich besucht und übrig geblieben ist nur ein Produzent, der wirklich alle Ansprüche erfüllen konnte. Auch die MOQ war für ein Startup vollkommen vertretbar (knapp 4.000 Tafeln). Beim Preis sind wir Anfangs schon einen sehr großen Kompromiss eingegangen, um erst mal an den Start zu gehen.

naschkater.com: Als ihr eure erste Bestellung beim Lohnproduzenten beauftragt habt, hattet ihr da schon Vertriebspartner oder bestand die Gefahr, dass ihr auf tausenden Tafeln Schokolade sitzen bleibt, deren MHD langsam abläuft?

Matthias: Wir hatten direkt mit einem Crowdfunding gestartet und dort die ersten knapp 2.000 Tafeln verkauft, bevor wir überhaupt produziert hatten. Unabhängig davon hatten wir erstmal keinen einzigen Vertriebspartner. Wir sind aber sehr schnell auf Messen gegangen und haben unseren Onlineshop geöffnet. Da unsere MOQ ohnehin recht niedrig war, gab es zum Beginn also kein sehr großes Risiko, dass uns die Schokoladen ablaufen.

naschkater.com: Welche speziellen Angebote für Gründer habt ihr in Anspruch genommen? Zum Beispiel Gründerberatungen der IHK oder staatlicher Einrichtungen oder KfW-Kredite oder dergleichen?

Matthias: Ganz ehrlich – wir haben hier gar keine Angebote in Anspruch genommen. Zum Starten hatten wir mit Felix Thönnessen einen privaten Gründungsberater, der uns auch wirklich weiter gebracht hat. Da wir die Finanzierung zunächst ebenfalls aus privaten Mitteln stemmen konnten, hatten wir schlichtweg keinen Bedarf.

naschkater.com: Wie wichtig ist für euch der Austausch mit anderen Food-Gründern?

Matthias: Der regelmäßige Austausch mit anderen Food-Gründern ist wirklich sehr wichtig für uns. Fast alle Startups kommen hier an den selben Problemstellungen vorbei. Meistens geht es um den Weg in den LEH und die Ausweitung der Markenbekanntschaft. Aber auch ein Vergleich mit anderen Startups zeigt dir, wie gut du voran kommst und hilft sehr gut dabei, die eigenen Leistungen richtig einzuordnen. Social Media suggeriert dir oft, dass andere Unternehmen von 0 auf 100 durch die Decke gehen und dann fängst du an zu zweifeln. Da hilft ein reality check unter Gründern doch sehr…

naschkater.com: Schokolade ist ein vergleichsweise günstiges Produkt – wieviel muss man davon umsetzen, um seine Investitionen wieder reinzukriegen?

Matthias: Ja, das stimmt wohl. Man muss schon einige Schokoladen verkaufen, damit sich der Aufwand lohnt. Auch hier muss man natürlich zwischen „Standard-Schokoladen“ und unserer speziellen Schokolade unterscheiden. Die Frage kann ich aber gar nicht mit einer klaren Zahl beantworten, da sich sowohl die Investitionen als auch die Verkaufszahlen regelmäßig vergrößern.

naschkater.com: Wie vermarktet ihr euer Produkt? Welche Kanäle bespielt ihr und wie viel von eurem Budget geht dafür drauf?

Matthias: Derzeit bespielen fast ausschließlich die gängigen Social Media-Kanäle und gehen auf Endverbrauchermessen. Budget, um ins Marketing investieren, haben wir dabei aber praktisch gar nicht, da sich die Messen ansatzweise selber tragen und wir auch für Social Media kein Geld ausgeben. Letztlich investieren wir unsere eigene Arbeitszeit ins Marketing.

naschkater.com: War es schwer, in Supermärkten gelistet zu werden?

Matthias: Anfangs war es sehr schwer für uns. Wir hatten als Quereinsteiger aber auch keine Ahnung wie der LEH funktioniert und was der LEH für Interessen hat. Wir haben sehr viele Türklinken geputzt und dabei nur sehr mäßige Erfolge verbucht. Nach knapp zwei Jahren hat sich das glücklicherweise etwas geändert. Inzwischen haben wir ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wie man in Supermärkte kommt. Es ist natürlich weiterhin harte Arbeit, aber wenn du genau diese zielgerichtet investierst, hast du heute gute Chancen mit einem zeitgemäßen Produkt in den Handel zu kommen. Damit haben wir es inzwischen in knapp 2.200 Supermärkte geschafft.

naschkater.com Gab es auch Händler oder Partner, die euer Produkt so gut finden, dass sie euch sofort unterstützt haben?

Matthias: Ja, die gab es sicherlich auch, aber die Anzahl war doch sehr überschaubar. Das lag aber auch daran, dass unser Produkt kurz nach dem Launch noch nicht so gut war, wie es das heute in unseren Augen ist. Man darf auch nicht vergessen, dass die meisten Händler ganz klar auf ihren potentiellen Gewinn schauen und nicht darauf wie schön oder nachhaltig ein Produkt ist.

naschkater.com: Ein eigener Onlineshop bedeutet viel Arbeit und viel zusätzliche Kommunikation. Lohnt sich der Direktvertrieb eigentlich oder sollte man als Gründer nicht seine ganze Kraft in die Kontakte zum Handel stecken?

Matthias: Das ist eine Frage der eigenen Vertriebsstrategie. Uns war schnell klar, dass der LEH unser Hauptfokus ist, um schnell größere Mengen produzieren und verkaufen zu können. Den Onlineshop haben wir eher nebenher laufen lassen. Ich kenne aber auch Marken, die gerade im Direktvertrieb ihren wichtigsten oder gar einzigen Vertriebskanal haben und dabei sehr erfolgreich sind. Aber es stimmt: Da muss man schon viel Arbeit und Kommunikation investieren. In Zukunft wollen wir aber auch online mehr machen und beginnen nun mehr Ressourcen ins E-Commerce zu investieren.

naschkater.com: Wann plant ihr den Break Even und was muss dafür noch passieren?

Matthias: Durch ein paar größere Listungen haben wir unseren Break Even schon nach knapp anderthalb Jahren erreicht. Damit wir aber auch nachhaltig funktionieren, müssen wir insbesondere an unserer Markenbekanntschaft arbeiten. Nur so schaffen wir es, dass auch die größeren Ketten regelmäßig bei uns nachbestellen.

naschkater.com: Lieber Matthias, vielen Dank für dieses interessante Interview.

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