Pringles-Phänomen: Chips aus Kartoffelmehl und Geschmacksverstärkern

Vor einigen Jahren habe ich angefangen, Pringles-Dosen zu sammeln. Nicht weil mir die Chips besonders gut schmecken, sondern weil ich vom aufwändigen Marketing für diesen Snack aus aufgeschäumten Kartoffelpüreepulver beeindruckt war und immer noch bin: Aus einer der preiswertesten Zutaten macht Kellogg’s (das Unternehmen hat Pringles von Procter & Gamble übernommen) mithilfe von viel Werbung, absurden Geschmacksrichtungen, abwechslungsreicher Verpackungsdesign und diversen Geschmacksverstärkern (etwa Mononatriumglutamat, Dinatriumguanylat, Dinatriuminosinat) ein globales Milliarden-Dollar-Geschäft. Ich finde, das muss man erstmal schaffen!

Die immer optimal geformten, stapelbaren Chips wurden in den 1950er und 1960er Jahren von den Procter & Gambles-Chemikern Fredric Baur und Alexander Liepa entwickelt. 1964 beginnt die Herstellung, 1968 kommen die ersten Chips auf den Markt, um in wenigen Jahren die USA zu erobern. Heute gibt es Pringles in 45 Geschmacksrichtungen und in über 100 Ländern. Pringles ist die größte Chips-Marke der Welt. Mich fasziniert die Pringles-Dose als Sammelobjekt, weil sie sehr häufig und in kurzen Abständen für Marketingaktionen umgestaltet wird. Außerdem finde ich die oft kreativ-absurden Geschmacksrichtungen amüsant, die Pringles auf den Markt bringt. „Pringles-Phänomen: Chips aus Kartoffelmehl und Geschmacksverstärkern“ weiterlesen

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Neue Pringles aus Tschechien und den USA: Bacon and Loud!

Es gibt eine neue Pringles-Reihe! Sogar mit einer eigenen Dosen-Größe (breiter, aber niedriger): Pringles Loud! Mir in drei verschiedenen Mais-Varianten zugegangen, nämlich Spicy Queso, Fierry Chili, Salsa Fiesta. Schmecken alle drei hervorragend!

Also weder ist die Geschmacksrichtung originell, noch die Bezeichnung: Pringles Bacon Flavour. Auf der Packung ist nicht mal Speck abgebildet, sondern nur ein heiße Pfanne mit darüber schwebenden Chips. Seltsam trostlos. Da sind wir von Pringles eigentlich viel witzigeres gewöhnt, aber diese in Tschechien gekaufte Dose kommt aus Polen und dort besitzt man offenbar nicht so viel humorvoll wie in England oder Amerika. Schade, denn geschmacklich sind sie gar nicht mal schlecht: die intensiv würzige Fleischnote erinnert stark an den übersalzten Geschmack der gestreiften Schinkenchips aus Weizen, die es früher immer bei Aldi gab. Enthalten sind 165 Gramm.

Die Pringles mit Bacon (Speck)-Geschmack wurden laut Frischesiegel in Polen hergestellt, wurden von mir aber in Tschechien erworben.

Deutlich besser gefallen mir da die neuen Pringles LOUD Crisps aus Maismehl, die es in den USA in den leckeren Sorten Spicy Queso, Fierry Chili Lime und Salsa Fiesta gibt: Alle kräftig im Geschmack, leicht scharf und zusätzlich entweder käsig, feurig oder fruchtig. Jede Dose enthält 154 Gramm. Bei mir kamen die aufgrund des Luftversand (für 35 Dollar!) allerdings arg zerbröselt an. Naja, Chipskrümel schmecken ja auch gut.

Blauer Käse in Dosen

Dieses Pringles-Trio nenne ich „Blauer Käse“, denn in allen drei Geschmacksrichtungen geht es imweitesten Sinn um Käse und die Verpackungen sind blau. Sie stammen aus den USA, wiegen je 181g (so genannte Super Stacks) und wären bis Anfang 2013 haltbar gewesen. Cheddar & Sour Cream sowie White Cheddar sind Teil der Geschmacksserie „Cheezummms“ (eingetragenes Warenzeichen für Pringles in denen echter Käse enthalten ist), wobei White Cheddar nur temporär erhältlich war. Die Zutatenliste auf der Rückseite führt den Cheddar-Käse übrigens an 16. Stelle bei jenen Zutaten auf, die 2% oder weniger des Inhalts ausmachen. Insgesamt beeindruckt diese Sorte mit 31 verschiedenen Zutaten, haupsächlich wie immer Kartoffelpulver und pflanzliche Fette, der Rest sind künstliche oder natürliche Geschmacksstoffe.  Pringles Ranch gehört nicht zur Cheezummms-Serie und beinhaltet demnach nicht einmal diese 2% echten Käses, sondern ausschließlich künstliche Geschmacksstoffe. Die Idee hinter Ranch würde ich als Zwiebeld-Knoblauch-Dip auf Quarkbasis beschreiben, sehr zwiebelig, sehr würzig,  leicht säuerlich. Man hat furchtbar schlechten Atem nach diesen Chips! (Aber das hält mich natürlich nicht vom Essen ab!)

Arabische Pringles

Ich bin jetzt stolzer Besitzer von zwei Pringles-Dosen mit arabischer Beschriftung: Sour Cream & Onion und Salt & Vinegar. Sie entsprechen von der Grammatur mit je 165g den deutschen bzw. europäischen Standardgrößen. Und das ist auch nicht überraschend, denn sie wurden in Europa hergestellt: Sour Cream & Onion hat mir ein Freund aus Palästina mitgebracht und Salt & Vinegar ein Freund aus Dubai. Die Chips wurden aber laut Beschriftung von Procter & Gamble in Belgien produziert und über Jordanien von der Petra Trading & Investment Company importiert. Anders als die meisten meiner asiatischen Pringles-Dosen tragen sie übrigens kein Halal-Emblem, wohl aber einen Haken bei „vegetarian“.

Pringles bald im Bioladen?

Noch vor der Übernahme durch Kellogg’s hat sich Pringles in einigen Ländern (aber nicht in Deutschland) aufgemacht zu neuen Ufern: gesünderen. Ich kann mir die Sprechblasen der Marketing-Experten bildhaft vorstellen: „Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Ernährung – auch beim Snacken – und diesem Trend möchten wir von Pringles mit der neuen Linie MultiGrain nachkommen“ oder so ähnlich dürfte die Produkteinführung geklungen haben. Tatsächlich sind die Multigrain-Chips etwas dicker, dadurch auch bröseliger, und enthalten ein paar eingebackene dunkle Körnchen. Die Zutatenliste der MultiGrain Classic aus Asien (102g) führt neben Kartoffelmehl auch Reismehl, Weizenkleie, Gerstenmalzmehl und Schwarze Bohnen (!) auf. Die Kalorienzahl muss hier nicht angegeben werden. „Pringles bald im Bioladen?“ weiterlesen

Asiatische Pringles: Seegras, Balsamico, Senf und Undefinierbar

Asiatische PringlesHier präsentiere ich mit größtem Sammlerstolz meine vier asiatischen Pringles-Dosen, wobei die auf dem Foto hinterste, mit der Geschmacksrichtung Seaweed (Seegras), aus Thailand stammt und die übrigen drei aus Japan. Der Geschmack der Chips ganz links geht in Richtung Senf. Der Geschmack der mittleren Dose ist undefinierbar, etwas käsig und zugleich sauer, sehr würzig (die Beschriftung ist vollständig auf japanisch, was ich leider weder sprechen und lesen kann). Die kleine pinke Dose vorn (40g) enthält Chips der Geschmacksrichtung Balsamico-Essig. Und Seaweed, schmeckt leicht nach Alge, etwas muffig, aber vor allem salzig. Diese Chips sind übrigens hellgrün und hauchdünn. Die zwei hohen japanischen Dosen wiegen 140g, sind etwas schmaler und flacher als die europäischen Dosen und deutlich kleiner als die nordamerikanischen. Seaweed kommt in Dosen á 110g, die nochmals dünner sind als die japanischen.

Pringles-Werbekampagne: Kunden werden verschaukelt

In den flotten Fernsehspots freuen sich Pringles-Esser darüber, dass jetzt genau 90 Chips in jeder Packung sind. Wie schön für sie. Leider schmecken diese 90 Kartoffelscheibchen nicht mehr so voll und mehlig, weil sie viel dünner geworden sind. Stattdessen dominiert jetzt der Geschmack des Frittierfetts. Der Hintergrund: In den letzten Jahren wurde der Inhalt der bunten Dosen immer weniger: Waren die vergleichsweise teuren Chips 2006 noch 200 Gramm schwer, sind es seit der letzten Einsparungskampagne nur noch 165 Gramm je Dose. Pringles mit „Extrem“-Geschmack enthalten sogar nur 150 Gramm. Woher ich das weiß? Ganz einfach, weil ich seit Jahren leere Pringels-Dosen sammle, wegen der vielen Designs aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Es folgen Verpackungsfotos, die den kontinuierlichen Schwund belegen. Dass die Verbraucher gerade in Deutschland statt auf die Qualität vor allem auf den Preis dessen achten, was sie vertilgen, ist ja leider hinlänglich bekannt. Trotzdem ist es schon eine Unverschämtheit von Procter & Gamble, in der Werbung ausgerechnet die hohe Menge seiner Chips anzupreisen, während die Zutaten reduziert werden. Man hätte ja auch geschmackliche Vorzüge oder ähnliches in den Vordergrund stellen können! Mehr Wissenswertes über die dreisten Lügen der Lebensmittelindustrie erfährt man bei foodwatch.

Pringels von 2006, noch mit 200 Gramm fett machenden Inhalts.
Über 180 Gramm geht es dann schnurstracks....
... runter auf 170 Gramm, um dann pünktlich zur 90-Stück-Werbekampagne
bei 165 Gramm anzukommen. Danke für die Verkackeierung, Procter & Gamble!
Darf's noch ein bisschen weniger sein? Dann emfpehle ich Pringles "Extrem" mit 150 Gramm. Quasi die Diät-Packung.