Confiserie Rausch erfand schon vor 20 Jahren die Herkunftsschokolade

Rausch Schokoladenhaus in Berlin / Aussenansicht

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1918 eröffnete Wilhelm Rausch die Rausch Privat-Confiserie zur Herstellung von Pralinen, Schokoladen und Honigkuchen und betrieb bald sieben eigene Confiserie-Geschäfte in Berlin. Bereits im Jahr 2000 wurde unter dem Markennamen „Plantagen-Schokolade“ eine Linie mit Schokoladen aus Edelkakao eingeführt, bei der jeder Sorte aus dem Kakao eines bestimmten Herkunftsgebiets besteht. Robert Rausch führt das Geschäft gemeinsam mit seinem Vater in der fünften Generation.

naschkater.com: Rausch hat als erster deutscher Hersteller die Herkunftsschokolade eingeführt und damit ein neues Qualitätsbewusstsein bei vielen Verbrauchern geschaffen. Wächst dieses Segment weiter, sind Qualität und Herkunft noch die bestimmenden Auswahlkriterien oder ist inzwischen etwas anderes entscheidend? 

  • Robert Rausch: Wir sehen, dass vor allem in der heutigen Zeit das Bewusstsein für qualitativ hochwertige Produkte steigt und damit der bewusste Genuss. Das ist für uns sehr positiv, denn  mein Vater als Vorreiter unsere Expertise im Segment Herkunftsschokoladen bereits sehr früh aufbauen. Heute will jeder Konsument wissen, woher genau die Rohstoffe des Produkts kommen, das er konsumiert und in unserem Falle genießt. Das Thema Transparenz wird daher immer bedeutender und spielt eine große Rolle in der Kommunikation mit dem Kunden. Herkunftsschokoladen zeigen dem Kunden sofort, woher die Schokolade bzw. der Edelkakao kommt. Zusätzlich wirkt dies auf einer weiteren Ebene: Wenn wir beispielsweise auf unserer Edelkakao-Schokolade das Herkunftsland Costa Rica oder die jeweilige Anbauregion oder sogar den Ort kommunizieren, entstehen positive Bilder im Kopf des Kunden: Urwald, exotische Tiere, Sehnsucht nach einem fremden Land und das Lebensgefühl eines Abenteurers.
Robert Rausch / ©Michael Tewes
Robert Rausch / Foto: ©Michael Tewes

naschkater.com: Hoffentlich keine abenteuerlichen Anbaubedingungen… 

  • Robert Rausch: Faire Anbaubedingungen sind für uns sehr wichtig. Wir stehen mit jedem einzelnen Kakaobauern, von dem wir unseren Edelkakao direkt beziehen, in Kontakt. So sind zum Beispiel Kailash und Quincy Winklaar aus Trinidad seit drei Jahren unsere Partner, mit denen uns ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. In Grenada arbeiten wir seit 2012 mit Andrew Hasticks zusammen und haben in den letzten Jahren schon viele schöne, lustige und zusammenschweißende Situationen erlebt – das verbindet. In Ländern wie Venezuela, in denen die politische Struktur die direkte Zusammenarbeit mit den Kakaobauern leider nicht zulässt, arbeiten wir mit den jeweiligen Kakaoboards zusammen. Mit unseren drei eigenen Kakaoexpertinnen sind wir ständig in den Herkunftsländern unterwegs, um unsere hohen Qualitätsstandards zu überprüfen. Für uns sind faire Anbau- und Arbeitsbedingungen essentiell. Außerdem schulen wir die Kakaobauern, investieren in die Infrastruktur und unterstützen sie bei Herausforderungen jeglicher Art.

naschkater.com: Sie betreiben auch eigene Plantagen…

  • Robert Rausch: Ja, wir besitzen bereits seit 2014 unsere eigene Edelkakao-Plantage „Tres Equis – Finca de Cacao“ in Costa Rica. Einerseits, um die besten Edelkakaos zu kultivieren sowie neue Sorten zu finden und andererseits, um den intensiven Austausch und Wissenstransfer mit unseren Partnern weiter auszubauen. Außerdem wollen wir alte Edelkakao-Sorten schützen, um die wunderbare Vielfalt zu erhalten. Somit können wir unseren Partnern nicht nur einen fairen Preis – der weit über dem Weltmarkt liegt – bezahlen, sondern noch etwas viel Wichtigeres mitgeben: Infrastruktur und Wissen. Anfang dieses Sommers konnten wir ein großes Herzens-Projekt realisieren: Aus fünf recycelten 40-Fuß-Seefracht-Containern haben wir mit unserem Kooperationspartner Containerwerk aus Nordrhein-Westfalen ein autarkes und nachhaltiges Edelkakao-Institut auf unserem Estate in Costa Rica aufgebaut– mit direktem Blick auf den Vulkan Turrialba und nur fünf Minuten zu Fuß zu einem der beliebtesten Rafting-Flüsse der Welt. Jetzt kann die Erforschung der besten Edelkakaos durchstarten: Wir können die erste Ernte bereits dieses Jahr einfahren, eine Nacherntestation rund um die Themen Fermentation und Trocknung in Betrieb nehmen und Stück für Stück weitere Flächen im Agroforst-System aufbauen. Auf unserer Edelkakao-Plantage wächst der Edelkakao im Einklang mit der Natur zwischen Mango, Papaya, Mais und anderen Nutzpflanzen. Die Anbauflächen liegen mitten im Regenwald auf ehemaligen Weideflächen, die wir mit viel Einsatz rekultiviert haben. So können wir vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Nachhaltigkeit die robustesten Edelkakao-Sorten züchten und mit wissenschaftlichen Kooperationspartnern und den Kakaobauern forschen.

naschkater.com: Rausch hat sich vor einigen Jahren komplett aus dem LEH zurückgezogen und vertreibt seine Waren nur noch in eigenen Geschäften und Online. Mit etwas Abstand betrachtet: War diese Entscheidung richtig oder könnte es sein, dass Rausch – unter den richtigen Bedingungen – in den LEH zurückkehrt? 

  • Robert Rausch: Das ist richtig. Unsere Schokoladen-Kreationen gibt es seit Ende 2015 exklusiv bei uns im Schokoladenhaus, wohlbemerkt dem größten der Welt, am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte und in unserem Onlineshop. Die Entscheidung ist nach nun knapp vier Jahren auf jeden Fall die Richtige gewesen. Beide Kanäle verweben wir im Omni-Channel-Ansatz immer weiter miteinander. So können wir jetzt voll und ganz auf das Kundenerlebnis setzen und die spannenden Hintergrundgeschichten erzählen, diese sind für das Thema für Edelkakao-Schokoladen einfach wichtig. Im Einzelhandel konnten wir das meist nicht, denn Edelkakao-Schokolade benötigt eine Bühne. Unser Schokoladenhaus in Berlin-Mitte haben wir zu unserem 100-jährigen Jubiläum unsere Familienunternehmen im letzten Jahr um- und ausgebaut. Jetzt können unsere Gäste und Fans auf 3 Etagen und über 1.500 m2die Welt der Edelkakao-Schokoladen und handwerkliche Pralinen entdecken und genießen. Ein ganz wichtiger Baustein hierbei ist unsere neue, audiovisuelle Erlebnis-Ausstellung ›Plantagenwelt‹, in der die Besucher alles über die Herkunft echter Edelkakaos erfahren. Wir zeigen, wie aus einer Kakaofrucht pure Edelkakao-Schokolade wird. Eine zeitnahe Rückkehr in den Einzelhandel können wir uns derzeit nicht vorstellen. Aber wir sagen niemals nie.
Blick auf die Rausch-Plantage.

naschkater.com: Wie geht Rausch mit den langen, warmen Sommern um, die den Versand der hochwertigen Schokolade erschweren? 

  • Robert Rausch: In den Sommermonaten bieten wir unseren Kunden einen Kühlversand an. Die Schokoladenpakete werden mit Kühlakku und einer Wärmeschutzfolie ausgestattet, damit Sie unseren Qualitätsmaßstäben entsprechend bei unseren Kunden ankommen. An extrem heißen Tagen koordinieren wir den Versand logistisch um. Unsere Kunden sind bereit, bei extremen Temperaturen lieber zwei bis drei Tage länger zu warten, da die Qualität für uns und unsere Kunden immer Vorrang hat. Für uns funktioniert der Sommerversand sehr gut.

naschkater.com: In diesem Jahr wurde eine weitere Etage im Schokoladenhaus eröffnet. Muss eine Marke für hochwertige Genussmittel sich heute so aufwändig inszenieren, um wettbewerbsfähig zu sein?

  • Robert Rausch: Wie bereits angedeutet, ist das für uns der einzig richtige Weg. Der Kunde möchte den persönlichen Service von perfekt geschulten Verkäufern und die absolute Transparenz. Das können wir im Schokoladenhaus hervorragend kommunizieren und bei handwerklichen Produkten zudem zeigen, wie beispielsweise eine Praline oder ein Schaustück aus Schokolade hergestellt werden. Nicht umsonst spricht man ja heutzutage gerne vom Instagram-Moment. Besucher, Gäste und Kunden wollen mit allen Sinnen entdecken und genießen. Mit unserer längsten Pralinentheke der Welt, der Berliner Skyline aus Schokolade und unserer Live-Patisserie bieten wir unseren Gästen viele Attraktionen. Einkaufsgewohnheiten verändern sich und wir uns mit ihnen. Wir sind überzeugt, dass der stationäre Handel nur funktioniert, wenn er einen echten Mehrwert bieten kann.

naschkater.com: Was is eigentlich aus Fassbender geworden? Sie heißen ja jetzt nur noch Rausch, oder?

  • Robert Rausch: Fassbender war in den 1980er Jahren ebenfalls ein Berliner Familienunternehmen und ehemaliger Hoflieferant. Allerdings gab es keine Nachkommen. Deshalb entschied mein Vater damals, die Marke zu übernehmen und mit ihr die Mitarbeiter, Rezepte und Maschinen. Das passte sehr gut, als wir uns in den 1990er Jahren entschieden, in den Einzelhandel zu gehen. Wir konnten mit unseren Plantagen-Schokoladen unter Rausch in den Einzelhandel und mit der feinen Confiserie Fassbender & Rausch an den Markt gehen. Als wir 2015 die Entscheidung trafen, uns auf den Direktvertrieb über unsere eigenen Kanäle zu konzentrieren, haben wir damit den Teil Fassbender abgelegt. Schlussendlich stehen wir als Familie Rausch mit unserem Namen für unsere Produkte. Ob die Marke Fassbender in der Zukunft nochmals am Markt erscheinen wird, wird sich zeigen.

naschkater.com: Herr Rausch, ich danke für das Gespräch.

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Die Rausch-Herzen aus Edelkakao erinnern an die Zeit von Air Berlin.

Bildnachweis: ©Rausch Schokoladen

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