Kongress der Lebensmittelzeitung: Kurzbericht von der LZ Open 2020

LZ Open Kongress 2020 Vortrag von Kerstin Erbe von dm
LZ Open Kongress 2020 Vortrag von Kerstin Erbe von dm

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Seit einigen Jahren lädt die Lebensmittelzeitung im Januar zur LZ Open, der exklusiven Jahresauftakt-Summit, nach Berlin ein. In der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom gab es am 22. und 23. Januar Vorträge, parallele „Deep Dive“-Workshops und viel Raum für Gespräche und neue Kontakte. Im LZ Innovation Camp haben parallel Partner wie Coca Cola, SAP und Nagel ihre Produkte und Dienstleistungen angeboten und einige Start-ups ihre Geschäftsideen präsentiert. Darunter der Food Inkubator Hungry Ventures, die App „Too good to go„, die überzählige Lebensmittel aus Restaurants und Geschäften günstiger verkauft, Nordic Oceanfruit mit verschiedenen „Meeressalaten“ aus Algen und Whapow, die Lebensmittel aus Süßwasseralgen herstellen, darunter auch köstliches Wassereis und Naschbällchen.

Die Vorträge standen unter dem Generalmotto „Mission Transformation – Mit Innovationen dem Wandel begegnen“. Nach der Begrüßung durch den Chefredakteur der Lebensmittelzeitung, Bernd Biehl, und Moderator Volker Wieprecht (rbb), sprach Astrid Techentrup von Procter & Gamble in Ihrer Keynote über die Notwendigkeit zukunftsorientierter Veränderung in Unternehmen. Man bedürfe einer neuen Kultur im Innovationsprozessen. Gerade wir Deutschen müssten eine neue Balance finden zwischen Perfektion und Geschwindigkeit. Andernfalls könnten Unternehmen nicht mehr schnell genug auf disruptive Sprünge mit Innovationen reagieren. Auch die Produktentwickler und Forscher im eigenen Unternehmen sollten die Markttauglichkeit ihrer Erfindungen bereits im Blick haben: Wofür gibt es Nachfrage, was will der Bürger? Im Anschluss zeigte sie einige der Neuentwicklungen aus Ihrem Unternehmen, darunter ein Gerät zur Entfernung von Altersflecken und ein kompaktes Waschpulver.

Blick in die Welt des Konsumenten von übermorgen

In einem der sich anschließenden parallelen Vorträgen gab Thomas Ebenfeld von der Agentur „Concept M“ Einblicke in die Welt der Konsumenten von übermorgen. Besonders erstaunlich dabei ist, dass der Verbraucher der Zukunft scheinbar widersprüchliche Werte und Verhaltensweisen an den Tag legt: Er möchte zugleich nachhaltig leben, gönnt sich aber auch Pausen vom Verzicht, Ausbrüche vom Rechtfertigungszwang, um hedonistisch zu genießen. Er taumelt zwischen Black Friday und Friday for Future. Ebenfeld spricht von Nachhaltigkeits-Sehnsüchten des Konsumenten. Aus Maximierungskult und statusbezogenen Lebensstil der 1980er Jahre ist die Mäßigungshaltung der 90er Jahre geworden. Jetzt befänden wir uns in einer fundamentalen Rückbesinnungskultur, bei der zwei gegenläufige Grundhaltungen miteinander rängen: die Multioptionalität und die Absicherung.

Diese Vielfalt von Möglichkeiten bürde den Menschen weitere Verantwortung auf: aus den zahlreichen Angeboten das für den Erhalt der Gesundheit und der Umwelt optimale auszuwählen. Denn während man früher Krankheit als etwas schicksalhaftes hingenommen hätte, würde heute der Kranke als jemand stigmatisiert, der nicht ausreichend vorgebeugt hat. Der Vorwurf und das Empfinden der eigenen Schuld belastet einen Kranken heute zusätzlich.

Die Unsicherheit der Zukunft (Klima, Globalisierung) erwecke Stabilitätsphantasmen, die sich im Konsum von Produkten widerspiegelten, die bio, vegan, in Kleinmengen von Manufakturen hergestellt würden. Ebenfeld nennt es das „Theaterstück des authentischen Lebens„, wenn der entfesselte Konsument auf den Wochenmarkt geht oder samstagabends mit der Familie kocht. Dahinter stecke auch die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung und dem „gutem Leben“. Konsum führe mehr und mehr zu Schuldbewusstsein. Schuldentlastend wirke es dann, wenn man anderen nachweisen könne, dass alle Versuche, die Welt zu retten, zum Scheitern verurteilt sind.

Marken seien dann erfolgreich, wenn sie sich als Hybride positionieren und zugleich hedonistisch und nachhaltig sind. Hier komme es auf das richtige Storytelling der Marke an und humanistische Wertaufladung des Produkts. Start-ups könnten zum Beispiel ihren hehren Daseinszweck herausstreichen  („Wir retten die Welt!“) und Selbst- oder Remythisierung betreiben. Je jünger die Zielgruppe, desto wichtiger sei die Sinnaufladung.

Bei Stress helfen positive Selbstgespräche und Kampfgrinsen

Anschließend gab es noch einen hochspannenden Vortrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, seines Zeichens psychologischer Betreuer der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Hermann konnte dem Konferenzpublikum lebendig vermitteln, wie man sein Team motiviert. Motivation entstehe nämlich schlicht dann, wenn man Freude an dem hat, was macht tut. Wer hingegen Herausforderungen als Bedrohung wahrnimmt, der hat Stress. Hermann selbst hilft in solchen Momenten, sich durch positive Selbstgespräche zu motivieren: „Rede mit Dir wie Dein bester Freund, der es gut mit Dir meint, so, dass es Dir hilft“. Parallel könnte man eine Stressübung machen und für einige Minuten beide Mundwinkel so weit wie möglich nach oben ziehen und halten. „Kampfgrinsen“ nennt das Hermann. Wer sich danach im Spiegel betrachtet, könne fast nicht umhin, über sich selbst zu lachen.

Am Ende sei es aber meist das Team, das über den Erfolg entscheidet, denn keiner gewinnt dauerhaft allein. Teamkollegen sollten erkennen, wenn einer Unterstützung braucht und den anderen praktisch unterstützen. Erst die oft belächelten „Soft Skills“ wie Empathie und Sozialkompetenz machen aus guten Leuten die Champions. Für jedes Team sei noch ein anderer Faktor von größter Bedeutung: Vertrauen. Fehlendes Vertrauen führt zu Stress. Etwa, wenn in einem Unternehmen wichtige Informationen fehlen. Umgekeht hilft Vertrauen dabei, Komplexität zu reduzieren. Auch wichtig sei Mut. Denn Führungskräfte ohne Mut seien nur „Manager“. Mut könne man trainieren, so Hermann, indem man regelmäßig etwas ausprobiert und gezielt seine Komfortzone verlässt.

Eindrücke von der Newcomer Area im LZ InnovationCamp 20

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