Mein Chips-Projekt (5): Das optimale Design der Chipstüte

Verschiedene originelle Kartoffelchips
Originelle Chipssorten: Es gibt sie!

Flattr this!

Seit einigen Wochen tüftele ich jetzt schon am optimalen Design für meine Chipstüte. Das ist echt viel schwieriger, als man vielleicht denkt, weil drei gegenläufige Anforderungen erfüllt werden müssen:

  1. Das wichtigste ist sicherlich, dass die Verpackung deutlich heraussticht und sich von den bekannten Chipsmarken auf den ersten Blick abhebt, damit der Verbraucher sie angesichts des großen Angebots im Regal überhaupt wahrnimmt.
  2. Außerdem soll die Verpackung Appetit auf die ungewöhnliche Sorte machen – durch ein entsprechendes Bild und eine den Speichelfluss anregende Bezeichnung.
  3. Und zugleich soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es ein ganz persönliches Produkt ist, das sich ein überkandidelter Chips-Junkie (nämlich ich) ausgedacht hat.

Darüber hinaus muss die Verpackungsgestaltung bestimmten formalen Anforderungen genügen und beispielsweise die enthaltene Menge, die Inhaltsstoffe, die Nährwerte, den Grünen Punkt und einen Barcode einbeziehen. Das meiste davon kann aber auf der Rückseite Platz finden.

Zum Auftakt habe ich mich mit dem Team um eine diplomierte Produktdesignerin getroffen, die ich schon lange kenne, und die mir auch bei diesem Projekt zur Seite steht. Wir haben erst die regulären Erzeugnisse meines Lohnfabrikanten und deren Verpackungen angeguckt und dann die vielen verschiedenen Kartoffelchips-Verpackungen der Mitbewerber. Da hatte ich immerhin den Vorteil, dass ich seit Jahren Verpackungen sammle – ja, auch leere, zusammen gelegte Folienbeutel! – und wir damit sehr viel Anschauungsmaterial in Händen halten konnten. Außerdem haben wir uns auch neuartige Chips- und Popcorn-Produkte aus anderen Ländern angeschaut, die wir online recherchiert haben.

Wäre es nicht am einfachsten, erfolgreichsten Marken zu kopieren

Dabei tritt schon die erste grundsätzliche Frage auf: Die Marktführer sind ja auch deshalb Marktführer, weil sich ihre Produkte und Verpackungen in vielerlei Hinsicht bewährt haben – sie werden seit Jahren erfolgreich verkauft! Und trotzdem wird ständig Marktforschung betrieben, die Abverkäufe ausgewertet, Konsumenten beobachtet und nach ihren Vorlieben befragt, Expertenrat eingeholt und alles entsprechend kontinuierlich optimiert.

Wenn man deren Merkmale kopiert, wäre das möglicherweise der schnellste, einfachste Weg zum Erfolg. Andererseits würde man überhaupt nicht auffallen und es gäbe keinen Grund für Verbraucher, zu meinem Produkt zu greifen. Wir müssen also einiges anders machen, ohne die bewährten Erfolgsfaktoren völlig außer acht zu lassen.

Natürlich haben große, bekannte Chipsmarken es in vielerlei Hinsicht einfacher, in den Handel und zum Verbraucher zu kommen. Allein schon so ein Erfahrungsschatz und Marktforschungsapparat stehen mir nicht zur Verfügung. Deshalb bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich nicht umhin komme, einzelne Grundregeln, die bisher beim Chipstütendesign galten, zu brechen, um aufzufallen und eine Marktlücke zu besetzen.

Das gilt natürlich auch für die Sortenauswahl. Da ist es eben so knifflig, denn die Deutschen bevorzugen bekanntermaßen die Sorte Paprika in allen möglichen Varianten. Es ist also eine wichtige Basissorte, aber zugleich herrscht hier auch der allergrößte Konkurrenzdruck, nicht nur durch Markenware, sondern auch die billigen Handelsmarken der Supermärkte, die so genannten Eigenmarken. Also muss ich mich entscheiden: Gehe ich auf Nummer sicher mit einer langweiligen Paprika-Variante oder konzentriere ich mich auf die Nische der eher ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen?

Grafik-Team erstellt Dutzende Entwürfe für meine Chipstüte

Um es ehrlich zu sagen: Der Prozess dauert an und wir haben schon zig super Entwürfe wieder komplett verworfen und neu angefangen.

Mit den ersten Entwürfen, die zum Teil echt schick waren, habe ich eine erste Onlinebefragung durchgeführt und von den rund 200 Teilnehmern wichtige Hinweise auf Präferenzen und No Go’s erhalten. Ich habe zum Beispiel die Tendenz festgestellt, dass weibliche Kundinnen „toleranter“ gegenüber Motiven sind, die sie nicht zu 100% ansprechen, aber männliche Konsumenten ein verspieltes, feminines Design komplett ablehnen.

Natürlich sollen sich meine Chips an jedermann, weibliche wie männliche Käufer richten, aber ich muss darauf achten, im Design nicht zu verspielt zu werden, um niemanden zu verschrecken.

Weitere Erkenntnis: Zu kleinteiliges Design ist zwar schick, aber meine Zielgruppe sind weniger die „Gourmets“, die nämlich auch auf Bio wert legen und in dem Segment genug Auswahl an elegant designten Chips haben, sondern die eher konventionellen Käufer, die originelle Sorten ausprobieren wollen und eine witzige Aufmachung goutieren.

Also entsprechend anders, weniger Details, dafür ein Bild von mir und ein einheitlicher Farbhintergrund, damit der persönliche Bezug klar wird, mehr in Richtung Wow-Effekt, wie mir eine befreundete Influencerin nahelegte. Das ist ja auch so ein typisches Problem: Man befragt den einen Experten und der sagt so, dann fragt man einen anderen Marketing-Experten und der schüttelt den Kopf.

Ich versuche natürlich, alle relevanten, stimmigen Hinweise einzubeziehen, aber am Ende gewinnt der Entwurf, der mich persönlich am meisten überzeugt. Ob das dann richtig war, entscheidet anschließend der Markt. Der kann sowieso am ehrlichsten Auskunft darüber geben, wofür die Verbraucher wirklich bereit sind, ihr Geld auszugeben…

Oliver als Motiv für Chipstüte
Eines dieser Porträts kommt auf die Chipstüte, möglicherweise leicht verfremdet. Dafür habe ich mir zwei Monate lang die Haare wachsen lassen und eine befreundete Friseurin hat sie dann mit Zuckerwasser und Fön hochgestylt und mit Schuhcreme (weil wir kein anderes Färbemittel da hatten) schön tiefschwarz gefärbt…! Corona macht eben erfinderisch! 🙂

Übrigens habe ich schon echt viel über Chips berichtet – das ganze Blog startete mit einem Post über meine Pringles-Sammlung, die inzwischen kaum noch zu bändigende Ausmaße angenommen hat. Weiterhin (oder wie der Österreicher sagen würde ‚weiters‘) habe ich über mir bemerkenswert erscheinende oder besonders ungewöhnliche Chipssorten rapportiert, die KEINE Pringles sind. Tja und natürlich musste ich mich auch den angrenzenden Produktgruppen widmen, wie Gemüsechips, Maissnacks (Erdnussflips), Brotchips oder Gourmet-Popcorn.

Wenn Sie einen Rechtschreibfehler gefunden haben, benachrichtigen Sie uns bitte, indem Sie den Text auswählen und drücken Sie dann Strg + Eingabetaste.

Werbeanzeigen

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.