Naschorakel 2020: Süßes wird salziger und statt Mahlzeiten gibt es Snacks

Leckere Müsliriegel liegen im Trend
Alles was geht wird zu Riegeln gepresst, so der Experte. Bildnachweis: CC0 via pixabay.com

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Früher wurde die Zukunft von buckeligen Damen mit Hilfe einer magischen Glaskugel vorausgesagt. Heute ist „Trendforscher“ eine ernst zunehmende Berufsbezeichnung und es gibt Spezialisten für jeden Bereich des menschlichen Daseins. Natürlich auch für Süßwaren und Snacks! Ich habe in meine Glaskugel geguckt und versucht, die Tendenzen in den Dimensionen Essverhalten, Zutaten, Verpackungsmotive und Aromen für das Jahr 2020 fortzuschreiben.

Oliver Numrich naschkater die gute Schokolade ISM 2017
Naschkater Oliver Numrich auf der Süßwarenmesse mit der „Guten Schokolade“, die fair gehandelt wird.

Zustimmung, Widerspruch und Ergänzungen zu den hier angestellten Überlegungen sind im Kommentarfeld herzlich willkommen!

Alle Mahlzeiten werden mobil

Die traditionelle Familie löst sich auf, die Haushalte werden kleiner. So bleibt auch der Esstisch, an dem früher drei Mal täglich alle zusammenkamen, immer öfter verwaist. Stattdessen ernähren sich die Menschen zunehmend so, wie sie arbeiten: räumlich und zeitlich flexibel. Dazu werden die Snackportionen kleiner und transportfähig. Zeitgemäße Snacks können ohne Tisch und Besteck, kalt oder warm verzehrt und individuell verfeinert werden. 

Riegel sind der Megatrend im kommenden Jahr: alles wird in Riegelform gepresst und damit zu einem gesunden Snackprodukt für unterwegs. Mit allem, was viele Proteine und wenig Fett hat, experimentierten Food Start-ups: Algen, Insekten, Fisch. Trockenfleisch-Riegel aus Rind, Hirsch oder Elch sollen Sportlern als würzige Alternative zu süßen Proteinriegeln dienen. 

Neben Riegeln kommen 2020 auch lose Nuss-Frucht-(Gebäck-)Mischungen in handlichen Portionspackungen ganz groß raus. Die Nüsse bringen gute Fette, Eiweiße und Ballaststoffe ein, die getrockneten Früchte enthalten Vitamine und ihre zähe Konsistenz ermöglichen längeres Kauen. Kleine Cerealien-Bällchen mit oder ohne Schokolade, gehackte Kekse oder Chips sorgen als Toss-Ins für Knusprigkeit und ein Aroma-Upgrade. 

Kartoffelchips kommen mit immer verrückteren und komplexeren Geschmacksrichtungen auf den deutschen Markt wie Pastrami Sandwich, Peking-Ente oder Stadionwurst. 2020 dürfen wir uns über noch mehr Vielfalt freuen! Neben Gemüsechips aus Roter Beete, Süßkartoffel oder Grünkohl gibt es inzwischen eine breite Palette an Pellet– und Extruder-Chips aus Hülsenfrüchten wie Linsen, Hirse oder Kichererbsen auch im kommenden Jahr. Aber Achtung: Heute gelangen innovative Produkte schnell in die Supermärkte. Aber wenn sie sich nicht verkaufen, sind sie genau so schnell auch wieder ausgelistet! 

Die Palette der Superfoods verbreitert sich weiter: Neben Quinoa, Acai und Chiasamen zählen jetzt auch Heidelbeeren, Zimt und Hanfsamen dazu. Hersteller mischen Superfoods gern in Standardprodukte wie Riegel, Müslis oder Chips, um diese aufzuwerten. Das hilft, das schlechte Gewissen des Käufers zu entlasten. 

Verpackungen: Multipacks und Animal Print kommen in Mode 

Der Genießertyp unter den Naschkatzen, der nicht auf den vollen Geschmack inklusive vollem Zucker- und Fettgehalt verzichten möchte, wird 2020 immer häufiger zu einzeln verpackten Miniportionen greifen, die als Multipack-Gebinde angeboten werden. Wer immer die Tüte Chips bis zum Schluss aufisst, reduziert durch kleinere Beutel die Kalorienlast. Gleichzeitig bleibt der Rest aromatisch versiegelt. Auch Süßigkeiten für Kinder werden vermehrt in kleinteiligen Portionspackungen verkauft. 

Der Natur- und Biotrend bei den Zutaten findet 2020 seinen sichtbaren Widerhall in den Verpackungsmotiven: Immer mehr naturalistisch gezeichnete Tiere finden sich auf den Verpackungen von Süßwaren und Snacks, gern auch ironisch gebrochen. Zum Beispiel der Waschbär mit Sonnenbrille auf einem Fruchtgummi oder der Schimpanse mit Hut auf Keksen. Manche Tiere werden nostalgisch dargestellt wie der Braunbär auf einer Pralinenschachtel oder die Kätzchen eines Herstellers von Katzenzungen. Damit wird die Sehnsucht von Verbrauchern nach Natur und der „guten alten Zeit“ bedient. 

Welches lizenzfreie Motiv erwartet uns 2020 besonders häufig auf den Verpackungen von schnell drehenden Trendsüßigkeiten? Nach dem magischen Einhorn, dem rosa Flamingo, der glitzernden Meerjungfrau und dem flauschigen Lama ist die Nachfolge ungeklärt. Ist es der kontrastreiche Tukan, der mit seinem orangefarbenen Schnabel für exotische Früchte stehen könnte? Erfährt das langarmige Faultier endlich den süßen Durchbruch? Es könnte aber auch der pink glasierte Donut mit Streuseln sein – nicht erst seit den Simpsons eine Ikone der globalen Popkultur. 

Aromen: Süßes wird salziger und bitterer

Eine Prise Salz gehört in jeden Kuchenteig – die Erkenntnis materialisiert sich 2020 endlich auch in Schokoladenwaren auf dem deutschen Markt: Immer häufiger finden sich die Sortenbezeichnungen „Fleur de Sel“ und „Salted Caramel“ oder Produkte wie schokolierte Salzbrezeln, die nächstes Jahr in  Dauersortimente übernommen werden. 

Erfrischungsgetränke geben oft die Aromentrends der nächsten Süßwarensaison vor. Hier stechen vor allem gekühlte Ingwer-Shots heraus sowie Soft Drinks mit Grüntee oder Matcha. Fruchtgummies und Schokoladen könnten 2020 also bitterer werden als bisher. 

Dazu kommen immer mehr technologische Lösungen für die Reformulierung bestehender Rezepte, um den Zuckergehalt zu reduzieren. 30% ist heute für viele Produkte machbar, ohne dass der Verbraucher abspringt. Der Boom von Bitterschokoladen auf dem Volumenmarkt zeigt, dass eine neue Schicht von Konsumenten herangereift ist, die übersüßte Produkte nicht mehr toleriert und einen vernünftigen Ausgleich zwischen Geschmack und Verträglichkeit verlangt. 

Übrigens: Zu den individuellen Vorlieben bei Kartoffelchips läuft gerade eine Befragung. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich daran beteiligen – es dauert nur 2 Minuten! → Hier geht es zur Befragung.

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1 Kommentar

  1. Also die Riegel auf dem ersten Bild sehen ja mal so richtig appetitlich aus. Sind wahrscheinlich aber auch ganz schöne Kalorienbomben. Schade, dass ich zur zeit Kalorien zählen muss!

1 Trackback / Pingback

  1. Aromatisierte Drogerieartikel - die Candysierung in Drogerie schreitet voran

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