Zuckerl aus Hollywood: Darum ist PEZ weltweit so erfolgreich!


PEZ Spender-Vielfalt
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Starinvestor Frank Thelen aus der  TV-Show „Die Höhle der Löwen“ würde PEZ sicher als ideales Abo-Modell bezeichnen: Der Kunde kauft einen Spender und kriegt die erste Charge Bonbons gleich mit dazu. Aber die passenden Nachfüll-Bonbons gibt es ausschließlich von PEZ und der Kunde muss sie nachkaufen, um den Spender weiter nutzen zu können. Das Geschäftsmodell kennt man heute vor allem von Druckerpatronen und Kapselkaffee. Das zweite Momentum, das dieses Produkt so attraktiv macht, sind die verschiedenen, oft detailreich ausgearbeiteten Schmuckköpfchen, die sich meist aktueller Comicfilm-Charaktere bedienen: sie laden geradezu ein, gesammelt zu werden. Kein Wunder also, dass es einen Kult um die PEZ-Spender gibt und eine weltweite Community von zahlungswilligen Sammlern, die den neusten Kreationen entgegen fiebern.

Dabei waren anfangs gar keine Schmuckköpfe vorgesehen: Als Eduard Haas III. 1950 einen Spender für seine Pfefferminzbonbons entwickelte (von PfeffErminZ leitet sich übrigens die Bezeichnung PEZ ab), orientierte er sich an einem schlichten Feuerzug, an dessen oberen Ende durch den Klappmechanismus ein einzelnes Bonbons – hygienisch, ohne Fingerkontakt – herausgestoßen wurde. Der Apotheker wollte mit den Pfefferminzpastillen eine gesunde Alternative zum Rauchen anbieten! (Hier geht es zu meinem PEZ-Video auf YouTube)

Die Plastikspender werden heute in Ungarn und China, die Bonbons in Ungarn und den USA hergestellt. Für die Zentrale in Österreich bleibt neben der künstlerischen Umsetzung und dem Vertrieb vor allem die Aufgabe, die Lizenzen auszuhandeln. Das Licensing ist inzwischen das eigentliche Kerngeschäft von PEZ. Nur gute Verträge mit den großen Filmstudios (Disney war 1962 das erste) und das richtige Gespür dafür, welche Filme erfolgreich werden, beschert PEZ guten Absatz seiner Spender. Über Jahrzehnte am erfolgreichsten sind wiederkehrende Motive wie der Weihnachtsmann und das vor allem in Asien beliebte Geschöpf „Helly Kitty„. Im aktuellen 2017er-Katalog gibt es sogar Hello-Kitty-Spender aus Kristall. Nicht so viel Glück hatte PEZ übrigens mit den Modellen Mister Bean und E.T. (als LEGO-Remake) von 2016 – beide Figuren erwiesen sich als Ladenhüter. Vermutlich auch, weil die Hauptzielgruppe des Weltunternehmens Kinder von 3 bis 8 Jahren sind. Die teilten offenbar weder den Humor von Mister Bean noch die Begeisterung für den Extraterrestrischen.

Um mit dem Puls der Zeit Schritt zu halten, hat PEZ einen eigenen Quick Response Code entwickelt, der auf den jüngeren Spendern aufgedruckt ist, und nach dem Scannen mit dem Smartphone in eine eigene Spiele-App, PEZ Play, führt. Besonders gut passt diese digitale, gewaltfreie Spielewelt zu den diesjährigen Editionen DC Super Hero Girls mit Supergirl, Wonder Woman und Co (Lizenz: Warner Bros.), aber auch zu den Transformers (Lizenz: Hasbro) und Angry Birds (Lizenz: Rovio). Neben den klassischen rechtwinkeligen PEZ-Bonbons werden noch runde PEZ-Traubenzucker und die besonders leckeren „Fizzy„-Brausebonbons vertrieben. Ab und an werden Spender auch zu Editionen zusammengestellt, etwa mit allen Charakteren eines Films, und in besonderen Schmuckdosen verpackt. Außerdem gibt es einzelne Motive auch als XXl-Spender-Figuren.

Stigmatisierung von zuckerhaltigen Produkten

PEZ Amadeus und Sisi
Die wunderbare Österreich-Edition mit Wolfgang Amadeus Mozart und Sisi kann man – neben vielen anderen Produkten – im PEZ-Onlineshop bestellen.

Doch es zeichnen sich einige Wolken ab, die den Himmel über PEZ verdunkeln könnten. Grund ist die zunehmende öffentliche Problematisierung von Zucker. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht in Artikeln oder TV-Reportagen, offline wie online, in Europa und Übersee das Feindbild „Zucker“ an die Wand gemalt wird. Und die Süßwarenindustrie wird dabei nur zu gern von investigativen Journalisten oder schrillen Kampagnenorganisationen wie Foodwatch ins Visier genommen und für jegliche Fehlernährung in Haftung genommen. Diese Breitseiten treffen auch PEZ, die nie einen Hehl daraus gemacht haben, dass ihre „Zuckerl“ selbstverständlich aus nichts anderem als Zuckerkomprimat mit ein paar Farb- und Geschmacksstoffen bestehen. Einen Versuch mit Gelee-Bonbons („PEZ Soft„) hat man unternommen – immerhin gehört zur Unternehmensgruppe auch die Firma Egger, die u. a. Weingummi-Produkte der legendären Marke „Sportgummi“ herstellt. Doch der Versuch wurde nach kurzer Zeit abgebrochen: Die Weingummi-Pillen waren zu schwer und zu wärmeanfällig für die internationale Distribution; schon kleine Verformungen der Munition führten zur Verstopfung der Spender.

Wenn jetzt auch noch große Hollywood-Studios wie Disney auf den Gesundheitszug aufspringen und Zucker zum Feindbild erklären, könnte PEZ langfristig Schwierigkeiten bekommen, weiter Lizenzen zu erhalten. Das Geschäft würde leiden, denn eines ist klar: Nur wenn PEZ die Helden der erfolgreichen Blockbuster gewinnt, verkaufen sich auch seine Spender. Allerdings stammen die erfolgreichsten Spender in diesem Jahr der Minions-Edition zum Filmstart von „Ich – Einfach unverbesserlich III„. Die possierlichen gelben Arbeitswürmchen erfreuen sich bekanntlich unfassbar großer Beliebtheit in allen Lebensbereichen – siehe auch mein Artikel über Minions-Merchandising. Die Minions-Reihe gehört dabei zu den erfolgreichsten Comicfilmen, die nicht von Disney produziert wurden (nämlich von den Universal Studios). Mit derart erfolgreichen Lizenzprodukten wie den Minions geht es deshalb mit Sicherheit für PEZ auch die kommenden Jahrzehnte positiv weiter.

2 Gedanken zu „Zuckerl aus Hollywood: Darum ist PEZ weltweit so erfolgreich!

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