Wackelpudding, Brausepulver, Maiblätter: Ist Waldmeister etwa ein Retro-Aroma?

Der Deutsche liebt seine Wälder, zumindest als romantische Verklärung. Und diese Liebe wird auch in den Namen seiner Süßigkeiten deutlich; denn da gibt es den Baumkuchen, die Braunen Blätter von Hachez, die Schwarzwälder Kirschtorte und natürlich jede Menge Waldmeister! Obwohl…  so besonders häufig begegnet mir Waldmeister-Aroma eigentlich nicht mehr in den Supermarkt-Regalen. Und auf einer Schachtel mit HallorenKugeln der Sonderedition „Waldmeister-Vanille“ steht doch tatsächlich der Zusatz „Retro„! Ist Waldmeister etwa schon reif für das aromatische Abstellgleis?!?

„Nein“, sagt Susanne Spiller von Symrise, einem der größten Aromenhersteller weltweit, „Waldmeister war nie wirklich weg – denken Sie an die grüne Götterspeise und die im Mai allseits beliebte Waldmeisterbowle.“ Und auf meine Nachfrage, ob Waldmeister eigentlich die „deutscheste“ aller Geschmacksrichtungen sei, von wegen Wald und so, verweist sie auf die lange Geschichte des Waldmeisters, die bereits im Mittelalter als Heilpflanze begann (Waldmeister wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend) aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in unseren Nachbarländern. Allerdings hätten sich, so Spiller, Götterspeise und Maibowle mit Waldmeistergeschmack im Lauf der Zeit in der Tat zu eher in Deutschland bekannten „Spezialitäten“ entwickelt, so dass die Pflanze in anderen Ländern nach und nach in Vergessenheit geriet. Übrigens glaubte man im Mittelalter auch, dass eine Mischung Waldmeister, Johanniskraut und Minze Hexen vertreiben könne. Heute wird für die Herstellung des naturidentischen Waldmeister-Aromas übrigens hauptsächlich Dihydrocumarin eingesetzt, weil das sowohl in der Herstellung als auch Preis moderat ist.

Aber hat Waldmeister als Aroma jetzt noch eine Zukunft in der Süßwaren- und Genusswelt?  „Waldmeister weckt mit seinen intensiven, süßen Noten bei vielen von uns Kindheitserinnerungen“, sagt Pui Yin Tao, Marketing Specialist Sweet & Dairy bei Bell Europe, einem Mitbewerber von Symrise, „und aktuell sehen wir deutlich, dass diese Geschmacksrichtung bei alkoholfreien, karbonisierten Getränken immer beliebter wird.“ Das macht Hoffnung und bestätigt auch meinen Eindruck, dass vor allem die Getränkeindustrie dem Waldmeister – vor allem wegen der bekannten Maibowle – die Treue hält. Und wie jeder weiß, gehen aromatische Trends häufig von den Erfrischungsgetränken aus und finden sich später in andere Warengruppen wie der Süßware wieder.

Hier einige Beispiele für Süßigkeiten, Joghurts, Eis und Getränke mit Waldmeister-Geschmack – die Waldmeister-Liköre, von denen es eine beachtliche Menge gibt, habe ich dem Beitrag über Liköre zugeschlagen, weil es mir an dieser Stelle echt zu viele wurden…

PS: Wer selbst Waldmeister pflücken möchte, findet ihn überall in Deutschland, bevorzugt in Rotbuchen- und Eichenhainwäldern. Großflächig kommt er zum Beispiel im Naturschutzgebiet Grumsiner Forst im nordöstlichen Brandenburg  vor. 

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4 Gedanken zu „Wackelpudding, Brausepulver, Maiblätter: Ist Waldmeister etwa ein Retro-Aroma?

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