Kaugummi: Süßigkeit mit Zusatznutzen

Wrigley's Gum Advert Bildnachweis: CC0 via pixabay.com
Wrigley's Gum Advert Bildnachweis: CC0 via pixabay.com

Ich habe mich zwar schon mit der Herkunft des legendären Bubble Gum-Geschmacks auseinander gesetzt und ein ebenso umfangreiches wie aufschlussreiches Interview mit dem ehemaligen Wrigley-Manager Willfried Schmidt geführt, aber mich noch nie grundständig mit dem Kaugummi auseinander gesetzt. Dabei ist hier zurzeit erstaunlich viel los! Es gibt nämlich ein paar neue Kaugummi-Sorten sowohl von ambitionierten Start-ups wie von den Großen der Branche.

Ist Kaugummi überhaupt eine Süßigkeit? Die meisten enthalten heute keinen Zucker, sondern Süßungsmittel und es steht auch weniger der Genuss als ein funktionale Nutzen im Vordergrund. Denn Kaugummi hat mindestens drei sinnvolle Funktionen: Verbesserung des Atems, Verbesserung der Mundflora zum Schutz der Zähne und Stressabbau durch Beschäftigung des Kiefermuskels.

Kaugummi ist aber auch Ausdruck eines lässigen Lebensgefühls, das von den USA ausgehend die Welt eroberte. 

Zwei Konzerne teilen sich 90% des Kaugummi-Marktes

Aber fangen wir vorne an! Der weltweit größte Hersteller von Kaugummi ist Mars, denn Mars hat 2008 für 23 Milliarden Dollar die Firma Wrigley’s gekauft. Und die halten die weltweit erfolgreichsten Kaugummi-Marken wie Orbit, Extra, 5 Gum, Juicy Fruit, Airways und Hubba Bubba.

Auf Platz zwei steht der Süßwaren-Riese Mondelez (früher: Kraft), der 2017 insgesamt rund 27 Milliarden Euro weltweit umgesetzt hat. Zu Mondelez gehören nicht nur gigantische Süßigkeitenmarken wie Oreo, Milka, Daim, Toblerone, Suchard und viele, viele andere, sondern seit der feindlichen Übernahme des britischen Cadburry-Konzerns 2009 auch etliche Kaugummi-Marken, die auf der ganze Welt verkauft werden wie Trident/Stimerol, Stride, Dentyne und Chiclets.

Die ursprünglich aus Frankreich stammende Kaugummimarke „Hollywood“ war bereits seit 1990 beim Konzern, als das damals noch aus Philip Morris und Kraft bestehende Konglomerat das Unternehmen General Foods übernahm, zu denen Hollywood damals gehörte.

Zwei kleinere Konzerne machen auch Kaugummis

Nach diesen beiden kommt erstmal lange Zeit nichts und dann gibt es noch kleinere Konzerne, die nebenbei die Sparte Kaugummi bespielen, so zum Beispiel Perfetti van Melle, zu denen die Marken Chupa Chups, Smint und Mentos gehören, die auch Kaugummis rausbringen.

Auch Ferrero hat erstaunlicherweise auf Basis seiner Marke tictac ebenfalls ein Kaugummi entwickelt und 2018 in Deutschland gelauncht. In Italien gab es das ticatac-Kaugummi schon länger.

Immer mehr Start-ups erfinden Kaugummi neu

Eine überraschend Entwicklung angesichts des geringen Umsatzvolumens und des mühsamen Marketings bei Kaugummi ist, dass in den letzten Jahren einige Start-ups gegründet wurden, die Kaugummi besser oder anders machen wollen. Aus Deutschland zum Beispiel „Das Kaugummi“ aus Frankfurt, das mit interessanten Geschmacksrichtungen wie Basilikum-Zitrone oder Hollunderblüte-Minze aufwartet.

Oder Taff Inaff aus der Schweiz, dessen Kaugummi Hanfsamen enthält und auf dem deshalb davor gewarnt wird, mehr als ein Dragee alle 20 Minuten zu kauen. Auf der diesjährigen Süßwarenmesse habe ich außerdem True Gum aus Dänemakr kennengelernt, die ein „natürliches“ Kaugummi herstellen, dass kompostierbar ist, sich demnach auch auf der Straße oder wo Kaugummis sonst manchmal leider landen, mit der Zeit auflösen würde.

Auch Handelsmarken und viele kleine Spezialisten stellen Kaugummi her

Sonstige Kaugummis, die sich sich nicht den aufgelisteten Unternehmen zuordnen lassen, aber die ich irgendwie interessant fand, sind in der folgenden Galerie aufgeführt. Zu den Dubble Bubble merkt Leser Markus folgendes an: „Dieser sehr spezielle Geschmack, der oft mit Begriffen wie „Zahnarzt“, „Krankenhaus“, „Badreiniger“, etc. verbunden wird und einen ziemlichen Schuß Wintergrün-Aroma beinhaltet, hat seine hartnäckigen Fans. In meiner Kindheit war das mein Lieblingskaugummi und an jeder Ecke zu haben. Als die Sorte immer schwerer zu bekommen war, habe ich mir eine zeitlang Boxen direkt beim damaligen Hersteller FLEER GmbH (Walldorf liegt zum Glück nicht weit von mir weg) besorgt. Als FLEER dann zu „ASCOM Confections“ wurde und die Sorte um die Jahrtausendwende nicht mehr herstellte, habe ich im Internet recherchiert, ob ich die DUBBLE BUBBLE auch woanders herbekomme. Die Enttäuschung anfangs war natürlich groß, als ich einen Eimer mit der von dir (unten) abgebildeten Sorte „blind“ aus den USA kaufte und auch mit den spanischen „Dubble Bubble“-Sortiment (übrigens wohl der einzige Kaugummi-Hersteller weltweit, der sich noch „FLEER“ nennt) nicht zufrieden war.

Mit viel Recherche kam ich dann auf den „1928 Flavor“ und testete den erstmal mit ein paar Kugeln (ja als Kugeln gibts die Sorte auch noch). Da war allerdings ein recht teurer Spaß, wenn man sowas aus Amerika bestellt und verschicken lässt. Also habe ich durchgerechnet und bei einer nächsten Bestellung bei einem anderen Online-Händler gleich zwei Paletten der Nostalgie-Boxen genommen. Was ich nicht selbst verbrauchte habe ich bei ebay angeboten um meine Kosten wieder reinzubekommen. Ich war erstaunt, wie beliebt die Boxen dort waren trotz eines relativ hohen Preises. Das habe ich mit der Zeit ein wenig professionalisiert und verkaufe diese Sorte nun regelmäßig über ebay.“ Bei Ebay einfach „1928 Flavor“ in die Suchmaske eingeben! Ich habe über Markus die Box mit 15 Kaugummis bestellt, die von Concord Confections, einem Unternehmen von Tootsie Roll (die Karamell-Riegel!), hergestellt werden. Kamen einen Tag später an und schmecken wirklich lecker nach Medizin! 🙂

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