Neues Design oder Relaunch: Vorher-Nachher-Vergleich bei Verpackungen

Wildcorn Curcuma+Zitrone Neue Verpackung
Wildcorn Curcuma+Zitrone Neue Verpackung

Eines fällt auf: In Deutschland werden die Verpackungen von Lebensmitteln immer stylischer. Endlich! Denn im Vergleich zum Großteil der Verpackungen in Italien, den Niederlanden oder insbesondere in Großbritannien sind unsere oft ziemlich einfallslos und langweilig gestaltet.

Gerade auch durch die Food Startups kommt Bewegung in den Markt, denn sie zeigen: eine kreative Gestaltung kommt beim Kunden an und fördert den Absatz. Inzwischen sind sogar die Erzeugnisse der Handels- bzw. Eigenmarken vieler Supermarktketten richtig schick designed – sehr zum Leidwesen der Markenhersteller. (Siehe meinen Beitrag zu den Eigenmarken von Penny)

Aber nicht nur Designanpassungen, auch Umstellungen beim Material, andere Bezeichnungen oder die Notwendigkeit, neue Siegel und Kennzeichnungen anzubringen, führen zu neuen Verpackungen. Der nachfolgende Vorher-Nachher-Vergleich der Verpackungen von Süßigkeiten- und Snackverpackungen geht den Veränderungen, die mir in der letzten Zeit aufgefallen sind, im Detail auf die Spur. Diese Liste wird ständig aktualisiert.

Kinder-Riegel von Ferrero wird neu verpackt

Der Begriff Kinder wurde bei Ferrero lange Zeit als nachteilig angesehen: Die Schokoladenprodukte sollten nicht nur Kinder ansprechen, sondern auch junge Erwachsene und noch ältere. Bei der Kinder-Milchschnitte setzte sich irgendwann der Teil der Marketingmannschaft durch, der die Marke Kinder als Hemmnis ansah – seitdem heißt sie nur noch Ferrero Milchschnitte.

Bei anderen Produkten, gerade bei der Schokolade, war das nicht so einfach. Kinder bliebt im Namen bestehen. Allerdings hat Ferrero jetzt still und leise das Design angepasst. Der Schriftzug „Riegel“ ward geschwungener und das legendäre „+ Milch -Kakao“ ersetzt durch den schnöden Hinweis „Milchcremefüllung„.

Vorher-Nachher-Vergleich: Zum 100. Geburtstag modernisiert Haribo Design und Schriften

Zu seinem 100. Geburtstag hat sich Haribo einen Relaunch seiner Verpackungen gegönnt. Tatsächlich waren viele seit Jahrzehnten designtechnisch nicht mehr angefasst worden. Die neuen Verpackungen wirken verspielter, kindgerechter und zeitgemäßer. Vor allem die Schriften wurden angepasst: Die Wortmarke „Haribo“ ist jetzt immer von einem dicken weißen Schatten umrahmt und die Sortenbezeichnungen sind nicht mehr in der strengen, serifenlosen Großschrift gehalten, sondern unterscheiden zwischen großen und kleinen Buchstaben und variieren in der Form passend zum Produkt.

Ritter Sport: Verpackt in reinem Papier statt in Kunststofffolie

Ein guter Grund, seine Verpackung zu verändern ist auch, auf ein anderes, möglicherweise umweltfreundlicheres Material umzusteigen. In diesem Fall hat Ritter Sport angekündigt, seine quadratischen Schokoladen zukünftig in Papier statt in Kunststofffolie zu verpacken. Allerdings ist mir seit der Ankündigung und Veröffentlichung einiger Fotos mit Mustern Anfang des Jahres 2020 auf dem Ritter Sport-Blog kein weiterer Fortschritt bekannt. Wir müssen uns wohl noch gedulden…

Auch die bestehenden Sorten der Ritter Sport Schokolade werden immer mal wieder umdekoriert. So zum Beispiel die Sorten Eierlikör Trüffel und Spekulatius.

Lion Cornflakes: Nestlé verändert Rezeptur und Gestaltung

Im Zusammenhang mit der Reformulierung einiger Rezepturen und der Einführung des französischen NutriScore auf freiwilliger Basis hat Nestlé einiges verändert – nicht nur das Verpackungsdesign. So fällt auf, dass die „alten“ Cornflakes von „Lion Cereals Karamell & Schoko“ nur zu 35% aus Vollkorn bestanden, die neue hingegen zu 41%. Wo früher die Nährwerte in Form der „britischen Batterie“ abgebildet waren, prangt jetzt der bunte NutriScore. Immerhin kommt Nestlé hier auf den Mittelwert von „C“.

Grafisch wurde der Löwenkopf überarbeitet, wobei ich ihn vorher schöner fand. Und auch die Darstellung der Getreideflocken selbst, die wie durch einen „Riss“ auf der Verpackung von einer Löwenpranke zu sehen waren, fand ich originell. Jetzt ist es die übliche Müslischale und natürlich dürfen auch ein paar Ähren nicht fehlen, um das Gesunde zu betonen.

Dass die Farben Gelb und Rot auf der neuen Packung dominieren – mit einem breiten grünen Streifen – , wohingegen die alte eher in einem Karamellton gehalten war, ist sicherlich kein Zufall! Die Signalwirkung des (ohnehin fraglichen) NutriScores wird dadurch massiv abgemildert.

Aldi verpasst seine Knusperkrone Mini-Cereals süße Monsteroptik

Nestlé hat damit angefangen hat, seine beliebtesten Cornflakes und Cerealien als einzeln verpackte Miniversionen im 8er-Pack anzubieten. Auch Discounter ALDI hat so etwas mit seiner Eigenmarke Knusperkrone im Programm. Es ist ja auch ungemein attraktiv, jeden Tag eine neue, andere Cornflakes-Packung öffnen zu können, die mit ihrer geringen Größe sogar im geliebten Kaufmannsladen der Kindheit Platz finden könnte. Nun haben die Kartönchen ein neues, verlockendes Äußeres erhalten: Je Menge kleine Monster sind jetzt darauf abgebildet.

Chio verändert das Verpackungs-Layout – aber keiner merkt’s…

Neues Design – Bekannter Geschmack“ steht auf den neuen Verpackungen der Chio Chips von Intersnack. Aber die Unterschiede fallen auf den ersten Blick kaum auf: Der Name Chio steht nicht mehr in einem weißen, ovalen Kreis  und der silberne Doppelblitz fehlt auf der Vorderseite. Ansonsten bleibt der leuchtend rote Hintergrund und – bei der Sorte Paprika – die ebenso rote Paprikafrucht und ein paar ideal geformte Chips. Ebenso ist die Sonnenblume als Hinweis auf das verwendete Sonnenblumenöl zu finden, jetzt aber etwas besser sichtbar weiter oben. Verschwunden ist hingegen die Tabelle mit den Nährwerten unten links auf der Vorderseite.

Verpackungs-Relaunch bei Wildcorn: Keine Sortennamen, dafür mehr Farbe

Der sehr erfolgreiche Hersteller von Biosnacks wie Popcorn- oder Extruder-Produkten, Wildcorn, hat Material und Aussehen seiner Folienbeutel verändert und sogar die originellen Sortenbezeichnungen wie Cannon Ball oder Taxi Marrakech aufgegeben. Die neue Verpackungen haben weniger Weiß und mehr Farbe und sind weniger verspielt.

Relaunch-Travestie bei Trolli: Verpackung bleibt, Produkt wird verändert

Normalerweise ändert sich die Verpackung und das Produkt bleibt gleich. Bei YoFruit von Trolli ist es genau umgekehrt: Die Verpackung bleibt gleich, aber der Inhalt wird umgemodelt. Sehr enttäuschend für mich als Liebhaber der zweiteiligen YoFruit-Gums: Plötzlich sind sie einfarbig, denn der weiße Schaumzuckerboden wurde wegrationalisiert. Heul, schluchz…

Big Pizza von Wagner heißt jetzt Big City und wird international

Diese Art von Tiefkühlpizzen muss man mögen: Statt eines knusprig dünnen Bodens wie in Italien üblich ist der Boden hier extrem dick, weich und teigig. Die alten blauen Verpackungen der Big Pizza von Wagner (Nestlé) waren sichtbar in die Jahre gekommen und auch die Bezeichnungen inkonsistent: die eine Sorte hieß „Boston“, die andere „Supreme“. Jetzt hat man das vereinheitlicht – alle Pizzen tragen Städtenamen – und der Tiefkühlpizza einen neuen, natürlicheren Look verpasst: die Verpackung sieht jetzt aus wie die Pappschachtel eines Lieferdienstes, in der die vorgeschnittenen Pizzaecken warten. Der Inhalt hat sich, soweit ich das überblicke, sogar teilweise um ein paar Gramm erhöht. Neben Boston und London gibt es noch Spezialitäten aus den Städten Tokio, Hawai, Amsterdam, Sidney, Istanbul und Rome.

Lidls Pancake-Mix in der Kunststoffflasche wird leicht überarbeitet und günstiger

Es ist nur eine geringfügige Überarbeitung des Etiketts, die ich bei diesem temporären Eigenmarkenprodukt von Lidl festgestellt habe. Umso erstaunlicher, dass hier überhaupt Anpassungen vorgenommen werden. Übrigens verdeutlichen die Aufnahmen auch den erheblich schwankenden Preis – im Februar 2020 kostete der Pancake-Mix noch 1,49€, nunmehr (ein halbes Jahr später) lediglich 0,96€. Ich nehme an, die Verpackung ist hier mindestens ebenso teuer wie der Inhalt, der im Wesentlichen aus Mehl besteht. Rohöl ist gerade billig, ob dadurch auch die (nicht besonders umweltfreundliche) Kunststoffverpackung günstiger wurde und dadurch das gesamte Produkt preiswerter angeboten werden konnte? Vielleicht hat auch der Lohnhersteller hinter der Eigenmarke Mcennedy (wie soll man das eigentlich aussprechen?!) gewechselt…

RUF frischt die Waldmeister-Götterspeise etwas auf

Ale textlichen Angaben sind erhalten geblieben, wurden nur neu auf der Packungsvorderseite verteilt. Auch ein funkelnder Hintergrund und ein frischeres Apfelgrün hat RUF seiner Götterspeise verpasst – zumindest auf der Verpackung. Die quadratischen Klötze auf der alten Packung sahen auch nicht wirklich lecker aus.

Auch Pralinenhersteller Halloren modernisiert seine Verpackungen

Das ostdeutsche Süßwarenunternehmen Halloren erlebte in wirtschaftlicher Hinsicht in den letzten Jahren ein heftiges Auf und Ab. Nebenbei wurden auch die Verpackungen überarbeitet, etwa von dem Klassiker Halloren Kugeln Schoko-Eierlikör: Der rote Streifen hinter der charakteristischen Wort-Marke wurde bis nach oben gezogen und unten geschwungen.

Das unvermeidliche „Neu“ wurde an die rechte obere Ecke geschrieben und mit einer geänderten Grammatur begründet, ein neues Foto von Eierlikör in einem modernen Schnapsglas angefertigt und auch die brachial gerade Schrift mit der Sortenbezeichnung in gefällige Schwingung versetzt und vom unteren Teil der Verpackung in den oberen geholt. Neu sind auch das Fairtrade-Siegel und die Mengenangabe auf der Verpackungsvorderseite. Interessant: Das „Original“ vor Halloren Kugeln ist entfallen.

Übrigens habe ich bereits die Nachahmer-Produkte von Handelsmarken mit den Markenprodukten in den Bereichen Süßigkeiten und Snacks verglichen. Außerdem habe ich mich mit den vielen verschiedenen Verpackungs-Motiven auseinandergesetzt und mit der Evolution der Verpackungen der wohl berühmtesten Stapelchips der Welt: Pringles!

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